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Krafttraining

Muscle Dysmorphia / Bigorexia / Adonis-Komplex

| · 40 Min. Lesezeit

Muscle Dysmorphia, Bigorexia oder auch Adonis-Komplex genannt, ist eine Form der Body Dysmorphic Disorder (BDD), bei der jemand obsessiv auf die Muskulösität des Körpers fixiert ist. Als Trainer solltest du das bei Klienten erkennen, um sie anschließend an einen Psychiater zu verweisen. Zumindest laut aktueller Forschung, deren Ergebnisse bald im Journal of Strength and Conditioning Research veröffentlicht werden (1).

Inhaltsverzeichnis

  • Muscle Dysmorphia
  • Body Dysmorphic Disorder und Muscle Dysmorphia
  • Muscle Dysmorphia: Was?
  • Muscle Dysmorphia: "Bro, do you even lift?"
  • Wer ist verrückt?
  • Der Adonis-Komplex oder Bigorexia
  • Die Gefahren von Muscle Dysmorphia: Anabolika
  • Einfach unsichere Menschen?
  • "Muskulös sein ist relativ"
  • Der Adonis-Komplex
  • Beispiel für Muscle Dysmorphia
  • Wie häufig kommt Muscle Dysmorphia vor?
  • Habe ich Muscle Dysmorphia?

    Muscle Dysmorphia

    Wie beim Abnehmen können manche Menschen die Balance verlieren zwischen gesundem Diäten und Sport einerseits und obsessivem, exzessivem Abnehmen andererseits, wie es bei Anorexia nervosa der Fall ist. Auch beim Trainieren und Essen für Muskelmasse kann diese Balance manchmal weit entfernt sein. Das kann zu verschiedenen psychischen, sozialen, relationalen und beruflichen Problemen führen.

    In diesem Artikel gehe ich auf den Begriff "Muscle Dysmorphia / der Adonis-Komplex" und auf eine der damit verbundenen Themen ein, nämlich den Gebrauch von anabolen Steroiden.

    Body Dysmorphic Disorder und Muscle Dysmorphia

    Body Dysmorphic Disorder (BDD) ist "eine belastende oder einschränkende Beschäftigung mit einem nicht vorhandenen oder kleinen Defekt im körperlichen Erscheinungsbild" (2 bis 5). Denk an Menschen, die ständig an die Größe ihrer Nase denken und darüber unsicher sind, obwohl sie objektiv gesehen überhaupt nicht auffällig ist. Wir sprechen also nicht über Frauen, die sich beim Anziehen jener Jeans, die sie vor zwei Kleidergrößen gekauft haben, fragen, ob ihr Hintern darin zu groß ist. Auch nicht über Männer, die ihren Bauch erst problematisch finden, wenn sie dadurch den unteren Teil des Fernsehers nicht mehr sehen können, wenn Oranje spielt.

    Body Dysmorphic Disorder betrifft Menschen, bei denen diese Obsession mit einem bestimmten Körperteil dazu führt, dass sie sozial oder beruflich nicht optimal funktionieren können. Wenn dieselbe Frau sich auch in einer zwei Nummern größeren Hose nicht über die Straße traut, aus Angst, dass alle auf ihren Hintern starren, dann kann man von Body Dysmorphic Disorder sprechen.

    Muscle Dysmorphia ist eine Form von BDD, bei der die Beschäftigung oder Obsession nicht ein bestimmtes Körperteil betrifft, sondern die Muskulösität des gesamten Körpers.

    Muscle Dysmorphia: Was?

    Laut der aktuellen Studie sollte ich statt auf der Bank für die Bench Press besser auf dem Sofa eines Psychiaters Platz nehmen. Sie ließen 146 Männer einen Fragebogen ausfüllen mit Fragen über:

    • das Ausmaß des Wunsches, muskulös zu sein,
    • "soziale Angst" rund um die Physis,
    • das Idealbild in Bezug auf die Muskulösität eines Mannes

    Anschließend fragten sie nach Merkmalen von Muscle Dysmorphia. In der Studie sprechen sie von den folgenden Eigenschaften:

    • exercise dependence 
    • diet manipulation 
    • concerns about size & symmetry 
    • physique protection behavior 
    • supplementation 

    Das Ergebnis dieses Fragebogens sollte Trainern einen Hinweis geben, wann sie Menschen zur psychischen Begleitung weiterleiten sollten:

    The results also highlight signals (e.g., anxiety about muscularity) that strength and conditioning coaches can use to identify at risk people who may benefit from being referred for psychological assistance.

    Adam Thomas, Aberystwyth University

    Muscle Dysmorphia: "Bro, do you even lift?"

    Wie du siehst, habe ich alle in der Studie genannten Eigenschaften angekreuzt, da sie auf mich zutreffen, ebenso wie auf viele andere. Mehr noch: Die meisten dieser Eigenschaften, wenn nicht alle, sehe ich als positiv. Nur mit diesen Punkten kannst du dich noch fragen, was daran falsch sein soll. Schauen wir sie uns einzeln an:

    Exercise dependence: Frei übersetzt eine Trainingssucht. Das könnte man als positiv betrachten. Es ist schließlich viel leichter, regelmäßig trainieren zu gehen, wenn es gewissermaßen zur Sucht geworden ist. In diesem Zusammenhang habe ich schon einmal über die Entwicklung von Motivation in Sucht geschrieben. 

    Motivation in Kombination mit Disziplin sorgt dafür, dass du trainieren gehst. Anschließend sorgt Gewöhnung dafür, dass dafür immer weniger Disziplin nötig ist, weil es zur Gewohnheit wird. Schließlich verändert sich die Gewohnheit in eine Sucht, und du kennst es nicht anders, als dass Training zu deinem Tagesablauf gehört wie Essen und zur Toilette gehen.

    Diet manipulation: Wir versuchen gerade, Menschen zu ermutigen, gesund zu essen. Diäten, also jede Form eines bewussten Ernährungsplans und nicht nur zum Abnehmen, ist ein Bestandteil der "heiligen Dreieinheit" Training-Essen-Ruhe. Einem guten Ernährungsplan zu folgen, kann ich also nur fördern.

    Concerns about size and symmetry: Das ist wahrscheinlich der Grund, warum die meisten Menschen das Fitnessstudio betreten: weniger Körperfett oder mehr Muskelmasse. 

    Physique protection behavior: Jeder, der schon einmal denkt: "Shit, ich baue Muskelmasse ab, weil ich seit mehr als drei Stunden nichts gegessen habe", darf diesen Punkt ankreuzen.

    Supplementation: Der Topf Proteinshakes von BodyenFitshop, der hinter dir auf dem Regal steht, zeigt, dass du auch diesen Punkt ankreuzen kannst.

    So betrachtet wird kein Personal Trainer zu seinen Kunden sagen: "Entschuldigung, kommen Sie bitte mit einer Bescheinigung vom Psychiater zurück, dass Sie nicht obsessiv sind". Ein Dealer verweist einen Junkie schließlich auch nicht an eine Entzugsklinik. Obwohl der Vergleich schief wirken kann, passt er in mehreren Hinsichten. Wie bei Drogen und Alkoholkonsum hängt die Schädlichkeit nur teilweise vom Produkt selbst und vom Ausmaß des Gebrauchs ab. Die Schädlichkeit wird größtenteils dadurch bestimmt, in welchem Maß jemand dadurch schlechter funktionieren kann.

    Trinkst du ein Bier für die Geselligkeit oder putzt du dir morgens die Zähne mit Johnny Walker?

    ...persons with muscle dysmorphia are pathologically preoccupied with the appearance of the body as a whole; they are concerned that they are not sufficiently large or muscular; their lives become consumed by weightlifting, dieting, and associated activities.

    Harrison G. Pope, Mclean HospitallHarvard Medical School (pope).

    Diese Definition aus der Studie von Pope aus dem Jahr 1997 nennt die Beschäftigung mit Krafttraining und Diäten als Eigenschaft von Muscle Dysmorphia und Bigorexia. Dass dein Leben im Zeichen von Krafttraining, Ernährung und anderen Dingen rund um deine Muskelmasse steht, ist etwas, das oft gerade beworben wird.

    Wir sagen es schließlich oft genug: "It's a lifestyle!"

    Dass andere das nicht verstehen können, ist ebenfalls nichts Neues. Viele erklären dich für verrückt, wenn du sagst, dass du vier- bis siebenmal pro Woche trainierst, 8 oder mehr Mahlzeiten pro Tag isst, mit einem Shake aufstehst und schlafen gehst usw. "Wir", die Menschen, die daraus tatsächlich einen Lifestyle machen, betrachten uns jedoch selbst als Supermenschen. "Wir" können nicht verstehen, wie du deinem Körper keine Aufmerksamkeit schenkst, so wie "wir" das tun. "Wir" können uns nicht vorstellen, dass du jahrelang über deine Figur klagst, ohne etwas daran zu tun.

    Der heute populäre Ausspruch: "Bro, do you even lift?" ist kennzeichnend dafür, wie Menschen, die ernsthaft mit Krafttraining beschäftigt sind, sich Menschen überlegen fühlen, die das nicht tun.

    Der eine flüchtet sich ins Comfort-Feeding und stopft sich bei einer depressiven Stimmung, die gerade durch Übergewicht entstanden ist, mit allem voll, was dick macht. Der andere denkt: "Ich tue etwas dagegen", stellt anschließend fest, dass dies nichts ist, was du einmalig tun kannst, und macht daraus also einen Lifestyle.

    Wer ist verrückt?

    Unten komme ich auf viele dieser Punkte zurück, dann aber aus der Situation heraus, in der dabei übertrieben wird. All diese Punkte, die als positiv betrachtet werden können, können unter anderen Umständen nämlich tatsächlich einen störenden Effekt auf dein soziales und berufliches Leben haben.

    Der Adonis-Komplex oder Bigorexia

    Wenn du es nur von der positiven Seite betrachtest, könntest du denken, dass dieser ganze Begriff "Muscle Dysmorphia" von Menschen erfunden wurde, die selbst nie trainiert haben. Menschen, die selbst keinerlei Affinität zu Krafttraining haben und jeden für verrückt halten, dem das wichtig ist.

    Das Problem ist, dass die Anorexia-Patienten in Pro-Anorexia-Foren wahrscheinlich auf exakt dieselbe Weise darüber denken (6). "Diese Menschen verstehen es wirklich nicht. Wer würde schon so dick sein wollen wie sie? Schau dir diese Frau an, man kann sogar sehen, dass sie einen Hintern hat!"

    Du bist im Begriff, eine sogenannte ‘pro ana’-Website zu besuchen. ‘Pro ana’ steht für ‘pro anorexia nervosa’.
    Auf dieser Website diskutieren Anorexie-Patienten darüber, was sie am meisten beschäftigt, etwa Tricks, um noch dünner zu werden, als sie bereits sind.

    Besucher dieser Website können von den ungesunden und gefährlichen Tricks erschrecken, die diese Patienten einander beibringen. Am schockierendsten ist jedoch, dass sie dabei so tun, als sei das alles ganz normal.
    Sie leugnen, krank zu sein. Für diese Patienten ist ihre Anorexie keine lebensgefährliche psychiatrische Krankheit, sondern eine ‘gesunde’ Lebensweise.

    Teil der Warnung beim Öffnen der Pro-ana-Website, einer Website

    Bei Anorexie-Patienten versteht oft jeder außer dem Patienten selbst, dass ein Problem vorliegt. Die Person selbst ist nicht mehr in der Lage, dies objektiv zu beurteilen. Umgekehrte Anorexie ist deshalb ein Begriff, der vielleicht etwas deutlicher zeigt, was das Problem ist, wenn wir über Muscle Dysmorphia und den Adonis-Komplex sprechen.

    • Der Mangel an Fähigkeit, die Muskulösität des eigenen Körpers objektiv zu bewerten.
    • Unabhängig davon, welche Masse an Muskeln du aufgebaut hast, nie mit dem Ergebnis zufrieden sein.
    • Keine rationale Abwägung zwischen den Risiken der Mittel, um dein Ziel zu erreichen, und dem Wert dieses Ziels selbst.

    Forscher platzierten 1994 Anzeigen in Fitnessstudios in Boston und L.A (7). Sie fragten unter anderem nach dem Selbstbild und dem Gebrauch anaboler Steroide. Insgesamt reagierten 156 Männer. Davon gaben 10% (16 Männer) an, sich körperlich klein und schwach zu fühlen, obwohl sie tatsächlich groß und muskulös waren, nach objektivem Maßstab der Forscher.

    In einer Untersuchung von neun dieser sechzehn Männer wurde der Begriff "umgekehrte Anorexia nervosa" eingeführt (8). Auffällig war, dass zwei dieser neun Männer eine Vorgeschichte mit "normaler Anorexia nervosa" hatten. Offenbar hatten sie ihre Beschäftigung damit, zu dick zu sein, in den zwanghaften Gedanken verwandelt, zu klein zu sein (4).

    Einen Bodybuilder zu fragen, ob er abgenommen hat, ist wie eine Anorexie-Patientin zu fragen, ob sie zugenommen hat. In dieser Hinsicht bin ich wohl ein bisschen sadistisch.

    Die Gefahren von Muscle Dysmorphia: Anabolika

    Und mit diesem letzten Punkt kommen wir zu einer der tatsächlichen Gefahren von Muscle Dysmorphia. Das Zitat des Forschers Pope von oben war nämlich noch nicht zu Ende:

    Consequences include profound distress about having their bodies seen in public, impaired social and occupational functioning, and abuse of anabolic steroids and other drugs.

    Harrison G. Pope, Mclean HospitallHarvard Medical School (4).

    Auf die zuerst genannten Folgen, psychisch, sozial und beruflich, gehe ich unten weiter ein. Beim letzten Punkt werden viele Menschen verstehen, zu welchen Problemen Muscle Dysmorphia / Bigorexia führen kann: der Gebrauch von anabolen Steroiden und anderen Drogen. 

    Alle neun Männer, die sich in der oben genannten Studie klein und schwach fühlten, verwendeten Anabolika. Die meisten gaben an, diese als "Heilmittel" gegen das Gefühl zu verwenden, zu klein zu sein, während zwei angaben, erst nach dem Gebrauch "umgekehrte Anorexie" bekommen zu haben. In verschiedenen Studien zeigte sich, dass Bodybuilder im Allgemeinen ein weniger positives Selbstbild haben als andere Athleten (8 bis 12).

    Der Gebrauch anaboler Steroide, um muskulöser und/oder trockener zu sein, wird für viele Menschen per Definition ein Zeichen dafür sein, dass man die Muskulösität des eigenen Körpers nicht objektiv bewerten kann oder keine rationale Abwägung zwischen den Mitteln und dem Ziel treffen kann. Ich kann es ihnen nicht verübeln.

    Liegt hier dann die Grenze? Kannst du sagen, dass du, wenn du Anabolika nur verwendest, um muskulöser auszusehen, keine rationalen Überlegungen mehr anstellen kannst? Dass du reif für das Sofa bist? Persönlich finde ich das zu kurz gedacht, angesichts des enormen Unterschieds in der Art und Weise, aber auch im Grund, warum verschiedene Menschen anabole Steroide verwenden. Paradoxerweise scheint mir gerade, dass die Menschen, die KEINE Muscle Dysmorphia haben, aus dem falschen Grund anabole Steroide verwenden. Das sind nämlich Menschen, vor allem Jungen/Männer, die eine On-off-Beziehung mit dem Fitnessstudio haben.

    Monate nicht trainieren, aber sofort wieder der Mann sein wollen, wenn du das Fitnessstudio wiedergefunden hast. Nicht die Geduld haben, ruhig wieder anzufangen, sondern direkt die Spritze rein, um so schnell wie möglich Ergebnis zu buchen, das du auch erreichen könntest, wenn du regelmäßiger trainieren und ernster mit Ernährung beschäftigt wärst. Als jemand, der keine anabolen Steroide verwendet, es aber unvorstellbar findet, wochen-, geschweige denn monatelang nicht zu trainieren, scheint mir der Begriff Muscle Dysmorphia eher auf mich selbst anwendbar als auf die gerade genannten Nutzer. Übrigens ist es auch eines der genannten Merkmale von Muscle Dysmorphia, es unvorstellbar zu finden, länger als zum Beispiel zwei Tage nicht zu trainieren, aber dazu später mehr.

    Ganz anders ist es, wenn du jemanden nimmst, der denselben kontinuierlichen Antrieb hat, weiter zu trainieren und auf Ernährung zu achten, und daneben anabole Steroide verwendet. Hier sehe ich den Anabolikagebrauch, genau wie den kontinuierlichen Antrieb zu Training und Diät, schlicht als zusätzlichen Hinweis auf Muscle Dysmorphia / Bigorexia.

    Daneben sagt Anabolikagebrauch nichts darüber aus, wie du aussiehst, da er nur einer der Faktoren ist. Persönlich kenne ich mehrere Anabolikanutzer mit einer Physis, auf die ich nicht gerade neidisch sein kann. Mangelnde Anlage in Kombination mit Einsatz oder Wissen sorgt dafür, dass ihr Ergebnis trotz Anabolikagebrauch zurückbleibt. Was, wenn die Rollen vertauscht wären? Wäre ich dann immer noch natural, würde ich doch zu Anabolika greifen oder würde ich einfach einsehen, dass Bodybuilding nichts für mich ist, und Bridge spielen gehen?

    Einfach unsichere Menschen?

    Harvard hat mehrere Studien auf diesem Gebiet durchgeführt. In einer davon zeigte eine Umfrage unter 193 Menschen, dass 18 davon, alle Männer, an Muscle Dysmorphia "litten". Auffällig an diesen 18 Männern war, dass sie alle auch Sorgen über andere äußere Merkmale hatten:

    They all had additional appearance concerns which focused on such body parts as penis, hair, skin, ears, and chin.

    Harrison G. Pope, Mclean HospitallHarvard Medical School (4)

    Und hier erkenne ich mich dann zum Glück wieder nicht. Okay, meine Schwestern neckten mich früher damit, dass ich spitze Ohren habe wie Dr. Spock, aber das bedeutete nicht, dass ich jeden Tag ein Schweißband oder etwas anderes trug, um meine Ohren zu verbergen. Ich weiß sehr wohl, dass ich kein Brad Pitt bin, aber zu sagen, dass ich mir Sorgen um meine äußerlichen Merkmale außer Muskelmasse mache, nein. Wenn wir über Muscle Dysmorphia sprechen, reden wir dann nicht einfach über unsichere Menschen, die in vielen Dingen unsicher sind, wobei Muskelmasse nur eines davon ist? Kein seltsamer Gedanke, wenn man sieht, dass Fälle von Anorexie in "umgekehrte Anorexie" übergehen können.

    Common associated behaviors included lifting weights, eating large amounts of food and special diets, mirror checking, constant comparison with others, reassurance-seeking behavior, camouflaging with clothing, and wearing extra layers ofclothing to enhance their apparent size.

    Harrison G. Pope, Mclean HospitallHarvard Medical School (4)

    Die genannten Verhaltensweisen, die aus dieser Unsicherheit hervorgehen, erkenne ich ebenfalls nicht alle. Die ersten wie Krafttraining, viel essen und diäten natürlich schon. Das "gehört schließlich zum Lifestyle", wie bereits angegeben.

    "Mirror checking"? Sure, wenn niemand hinschaut. Ich kann morgens aus dem Haus gehen, ohne einen Blick auf mein Gesicht zu werfen, und mit Brinta noch an meiner Lippe losziehen, aber am Spiegel im Badezimmer vorbeilaufen, ohne einen Blick auf meinen Körper zu werfen, passiert nicht oft.

    "Muskulös sein ist relativ"

    "Constant comparison with others". Sich ständig mit anderen vergleichen? Check. Natürlich check. Muskulös sein ist schließlich relativ.

    Schau dir nur die ersten Ausgaben der Mr.-Universe-Wahlen oder Bodybuilder in den 60er-Jahren an. Die waren damals eine echte Sehenswürdigkeit, während ich mich daneben durchaus auf die Bühne trauen würde. Schauen wir jedoch auf die Bodybuilder von heute, dann würde ich im Vergleich zu ihnen aussehen wie der Typ auf dem oberen Foto, der auf der Suche nach einem Solarium offenbar falsch abgebogen ist und plötzlich an einem Bodybuilding-Wettkampf teilnimmt.

    Ob du muskulös bist, hängt also genauso stark von der Muskulösität anderer ab wie von deiner eigenen. Du kannst dich in deinem lokalen Fitnessstudio wie ein ganzer Mann fühlen, ein großer Fisch in einem kleinen Teich. Wenn du dann plötzlich im großen Meer landest, stellst du fest, dass du ein kleiner Fisch bist. Ich musste mich deshalb mental auf Expos wie FIBO und Bodypower vorbereiten.

    Vorbereiten auf die Tatsache, dass ich dort höchstens den Durchschnitt in Sachen Muskulösität bilde, und das auch nur dank der anwesenden Damen. Selbst jemand wie ich, der sich als natural Bodybuilder manchmal wie eine vierzigjährige Jungfrau fühlt, kann dann beim Anblick von Männern, die doppelt so groß sind, und der massiven Aufmerksamkeit, die sie bekommen, die Versuchung zu Anabolika spüren, für den Bruchteil einer Sekunde.

    Es ist natürlich, sich mit anderen zu vergleichen, obwohl es nicht immer gesund ist. Wir tun es ständig: nach dem Standard suchen. Oft, um denselben Standard auf sich anwenden zu lassen, aber manchmal gerade, um sich davon zu unterscheiden. Bodybuilder wollen nicht einfach muskulös sein, sie wollen muskulöser sein als andere. Die Frage ist, wann dieser Wunsch, sich zu unterscheiden, sich zu schädlichem Verhalten entwickelt.

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Muscle Dysmorphia / Bigorexia, die obsessive Beschäftigung mit der Muskulösität des Körpers, kann zu verschiedenen psychischen, sozialen und beruflichen Problemen führen. Unten gehe ich weiter auf diese Probleme ein.

Der Adonis-Komplex

Oben gab ich bereits an, dass die Unfähigkeit, die eigene Muskulösität objektiv zu bestimmen, eine Eigenschaft von Muscle Dysmorphia ist, im Volksmund auch Adonis-Komplex oder Bigorexia genannt. Hierin kannst du unterscheiden. Einerseits zwischen Menschen, die irgendwo schon wissen, dass sie objektiv gesehen muskulös sind, daraus aber keinen subjektiven Trost ziehen, und andererseits Menschen, die zum Beispiel wirklich denken, dass sie kleiner sind als jemand anderes, obwohl das nicht der Fall ist.

In diesem letzten Fall kann es eine solche psychische Belastung sein, dass sie sich große Mühe geben, ihren Körper nicht öffentlich zu zeigen (1).

Such individuals may go to great lengths to avoid having their bodies seen in public. They may wear baggy sweatpants and sweatshirts, or layers of clothes, even in summer, to hide their bodies. They avoid beaches, swimming pools, locker rooms. and other places where their bodies might be seen; if such exposure is unavoidable. they may experience great distress. The only exception to this pattern is in bodybuilding contests, where the individual may appear after weeks of rigorous preparation, and only when in peak condition.

Harrison G. Pope, Mclean Hospitall Harvard Medical School

Genau wie Menschen mit Übergewicht ihr zusätzliches Gewicht oft verbergen wollen oder nicht gerade darauf brennen, ins Schwimmbad zu gehen, kannst du deinen "zu kleinen" Körper verbergen wollen. Das kann sehr schwierig und einschränkend sein. Das sehen wir in den Beispielen von Menschen mit Muscle Dysmorphia wieder. Persönlich ist mir das fremd. Ich erkenne das Gefühl, dich nicht optimal zu fühlen, wenn Training oder Ernährung eine Weile schlechter waren. Subjektiv kann ich dann unzufrieden mit mir selbst sein, aber objektiv weiß ich immer noch, dass ich muskulöser bin als der Durchschnitt. Menschen mit Muscle Dysmorphia können das wirklich nicht objektiv sehen, vergleichen sich ständig mit anderen, die in ihren Augen größer sind, es in Wirklichkeit aber nicht sind. Außerdem fragen sie andere ständig nach Bestätigung ihrer Muskulösität, wie aus "case 2" unten im Artikel hervorgeht.

Beispiel für Muscle Dysmorphia

Ich kenne persönlich nicht viele Beispiele für die genannten Symptome. Zumindest nicht, wenn diese Symptome so schlimm sind, dass jemand dadurch dysfunktional wird. Die Case-Reports, die in der Arbeit des Forschers Pope und seiner Kollegen genannt werden, bieten etwas mehr Einblick in die schwereren Fälle und können als Beispiel dienen, wie es nicht sein sollte (4). Ich behandle hier eines der vier Beispiele, die übrigen drei findest du unten im Artikel im Originaltext. Anhand dieser Beispiele gehe ich anschließend auf die sozialen, relationalen und beruflichen Probleme ein, die durch Muscle Dysmorphia / Bigorexia entstehen können.

"Case 3": Weibliche Bodybuilderin

Eine 29-jährige Frau, die seit 13 Jahren Krafttraining macht und seit 7 Jahren Bodybuilding. Zwischen ihrem 15. und 16. Lebensjahr kämpfte sie mit Anorexie und zwischen ihrem 17. und 22. mit Bulimie. Ab ihrem 16. Lebensjahr begann sie mit Krafttraining und veränderte ihren idealen Körpertyp von "modelldünn" zu muskulös. Mit 22 wurde sie körperlich angegriffen, was Anlass war, mit "ernsthaftem Bodybuilding" zu beginnen, um sich wehrhafter zu fühlen*. Ihr Ernährungsplan half ihr, die Bulimie loszuwerden. Sie begann verschiedene Supplements zu verwenden, aber auch Ephedrin aus den inzwischen verbotenen 'Stackers', Diuretika (Wassertabletten zum Austreiben von Flüssigkeit) und schließlich anabole Steroide. Letztere führten zu häufiger vorkommenden Problemen wie Amenorrhoe (abnormales Ausbleiben der Menstruation), Akne und einer tieferen Stimme.

Dadurch erreichte sie zwar ihren idealen Körpertyp, wodurch sie sich "euphorisch und in einem manischen Zustand" fühlte. Dieses Gefühl verschwand, wenn sie keine Anabolika verwendete, wodurch sie depressiv und enttäuscht von ihrem Körper wurde. Auffällig ist, dass sie selbst dann, wenn sie in optimaler Form war, ihre Figur unter weiter Kleidung verbarg.

She reports that even when in optimal shape, she wears baggy pants and sweatshirts to hide her body.

Harrison G. Pope, Mclean Hospitall Harvard Medical School

Daneben wurde sie beunruhigt und gereizt, wenn etwas einem Training im Weg stand. Wenn sie etwas aß, das nicht in ihren Ernährungsplan passte, rannte sie nicht mehr zur Toilette, um sich zu übergeben wie früher, sondern ein paar Kilometer weiter, um die Kalorien zu verbrennen. Selbst wenn es 4 Uhr nachts war!

Als sie mit Nierenversagen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, führten die Ärzte es auf ihren Anabolikagebrauch in Kombination mit einer proteinreichen Diät und Flüssigkeitsentzug zurück. Sie war in Vorbereitung auf einen Wettkampf. Einige Monate nach der Entlassung aus dem Krankenhaus begann sie wieder mit einer Anabolikakur, derselben Ernährung und demselben Training**.

Sie lebt allein und sagt, nicht an anderen interessiert zu sein, weil diese ihrem Trainingsregime zu sehr im Weg stehen würden. Diese Einstellung begann auch gleichzeitig mit dem Training und wurde also nicht durch eine andere psychische Störung verursacht. Sie arbeitet als Personal Trainer, damit sie so viel Zeit wie möglich im Fitnessstudio verbringen kann.

* Weibliche Nutzerinnen anaboler Steroide wurden im Vergleich zu Männern, die Anabolika verwenden, und Frauen, die das nicht tun, relativ häufig in der Vergangenheit (sexuell) missbraucht (Ip). Wehrhaftigkeit ist daher auch ein häufig genannter Grund, mit Bodybuilding zu beginnen und Anabolika zu verwenden.

** Es ist fraglich, inwieweit eine proteinreiche Ernährung eine höhere Belastung für die Nieren darstellt. Darüber haben wir früher einen Artikel geschrieben, in dem wir die Frage beantwortet haben: Ist zu viel Protein schlecht für die Nieren?

(Als Forscher in einer Anzeige nach Frauen fragten, die an Bodybuilding-Wettkämpfen teilgenommen hatten, reagierten 38 Frauen. Ganze 32 von ihnen, 84%, berichteten von einer "ernsthaften Beschäftigung mit muskulös und trocken sein". Dies sorgte für eingeschränktes soziales oder berufliches Funktionieren. 38% dieser Frauen verwendeten anabole Steroide.)

Soziale, relationale, berufliche, finanzielle und gesundheitliche Probleme durch Muscle Dysmorphia

Nun ist vielleicht klarer, wie Muscle Dysmorphia dein Funktionieren einschränken oder sogar destruktiv beeinflussen kann.

Relational: Denk zum Beispiel an Menschen, die Schwierigkeiten mit Intimität haben, weil sie sich für ihren Körper schämen. Denk aber vor allem an die Zeit und Aufmerksamkeit, die ein "Lifestyle" wie Bodybuilding verlangt. Der Ausspruch "A couple that trains together, stays together" kommt vielleicht schlicht daher, dass es unglaublich schwierig ist, dich vollständig für Bodybuilding einzusetzen, wenn dein Partner dies überhaupt nicht priorisiert.

Im Interview mit Harold Kelley, einem "Rollstuhl-Bodybuilder", kam hervor, dass seine Frau seine größte Stütze ist. Sie macht selbst ebenfalls Wettkämpfe und kümmert sich um seine Ernährung bzw. seinen Ernährungsplan. Das scheint es deutlich leichter zu machen, eine Beziehung zu pflegen und gleichzeitig vollständig für eine Karriere als Bodybuilder zu gehen. Hast du eine Beziehung mit jemandem, der überhaupt keine Affinität zu Krafttraining hat, geschweige denn zu der Beschäftigung damit, wie du sie hast, dann bist du ständig damit beschäftigt zu erklären, warum du wieder trainieren musst und warum du nicht einfach essen kannst, was auf den Tisch kommt.

Von den 32 weiblichen Bodybuilderinnen gab es deshalb auch fünf, die angaben, lieber allein wohnen zu wollen, damit niemand ihrem Training und ihrer Ernährung im Weg stehen konnte.

many individuals with muscle dysmorphia adopt an a consuming lifestyle revolving around their workout schedule and meticulous diet. Many spend so much time in the gymnasium that they forgo intimate relationships or occupational opportunities

Harrison G. Pope, Mclean Hospitall Harvard Medical School

Auch beruflich kann Muscle Dysmorphia einen großen Einfluss haben. Von denselben 32 weiblichen Bodybuilderinnen arbeiteten 17 in einem Fitnessstudio, also etwas mehr als die Hälfte! Du kannst das auf zwei Arten lesen: 1. Schön, sie machen ihre Leidenschaft zum Beruf. Oder: 2. Sie lassen beruflich interessantere Möglichkeiten liegen, um im Fitnessstudio sein zu können, und entfalten sich dadurch nicht vollständig.

"Case 4" unten ist noch ein Beispiel für jemanden mit Muscle Dysmorphia. Sie hat eine höhere Ausbildung abgeschlossen, versucht aber nicht, darin Arbeit zu finden. Stattdessen arbeitet sie im Fitnessstudio, um oft genug trainieren zu können.

Sozial: Neben den oben genannten relationalen und beruflichen Faktoren gibt es noch die Angst, Trainings zu verpassen oder vom Ernährungsplan abzuweichen. Wenn jemand mit Muscle Dysmorphia einen Trainingstag verpasst, kann diese Person sehr beunruhigt und agitiert werden. Auch Abweichungen vom Ernährungsplan sind sehr unerwünscht, wodurch man es oft vermeidet, mit anderen zusammen zu essen. Aktivitäten, die der üblichen Routine im Weg stehen, werden häufig vermieden.

Finanziell: Kürzlich schrieb ich noch im Artikel "Brauche ich Supplements?" darüber, welche Supplements wirklich wirken und welche zumindest zweifelhaft sind. Das, um dir unnötige Kosten für Supplements zu ersparen. Ich sprach neulich jemanden im Fitnessstudio, der angab, mehr als 200 Euro pro Monat für Supplements auszugeben. Ich bezweifle das immer noch, weil ich ihn fast nie trainieren sehe und er nicht gerade aussieht wie jemand, dem Muskelmasse so wichtig ist, dass er dafür mehr als 200 Euro pro Monat ausgibt. Wie viel denkst du übrigens neben Protein, Kreatin und vielleicht einem Pre-Workout zu brauchen, das ich empfehle selbst zusammenzustellen? Versteh mich nicht falsch, ich hatte irgendwann auch mehr als zehn Töpfe mit Pulvern und Pillen stehen, aber die werden nicht alle monatlich angeschafft.

Auf mehrere Hundert Euro pro Monat kommst du schnell, wenn du Anabolika verwendest, und erst recht im Fall des teuren Wachstumshormons. Für manche bedeutet das, dass sie ihren Lebensstandard drastisch senken müssen, erst recht, wenn sie statt zum Beispiel eines Jobs als Bankmanager eine Karriere als Personal Trainer wählen. Millionen verdienen oder ein normales Einkommen wie die männlichen Top-Bodybuilder ist nur sehr wenigen vorbehalten. Die Dokumentation Generation Iron zeigt das gut. Wir sehen Bodybuilder aus den Top 10 der Welt, von denen die Nr. 1 buchstäblich im Wohlstand badet (Phil Heath), während ein anderer unversichert herumfährt (Victor Martinez). Die Damen sind heutzutage etwas geschickter darin, über Social Media an ihrer Physis zu verdienen, wie Paige Hathaway und Jenny Selter.

Gesundheit: Genau wie Spitzensport im Allgemeinen ist Bodybuilding auf hohem Niveau ebenfalls nicht gerade gesundheitsförderlich. Viel Muskelmasse und ein niedriger Fettanteil verhindern viele der sogenannten Wohlstandskrankheiten wie durch Übergewicht verursachten Diabetes. Extrem große Muskelmasse kann jedoch einige derselben Beschwerden verursachen wie Übergewicht durch Fett, angesichts der schweren Belastung für Herz und Gelenke. Dann haben wir noch nicht einmal über die möglichen Komplikationen des Anabolikagebrauchs gesprochen. Über Anabolikagebrauch habe ich einmal geschrieben, dass er unter bestimmten Umständen theoretisch sicher verwendet werden kann. Dafür ist jedoch eine bestimmte objektive Abwägung von Risiken nötig, die Menschen mit Muscle Dysmorphia oft nicht treffen können.

Wie häufig kommt Muscle Dysmorphia vor?

Although it is difficult to estimate the prevalence of muscle dysmorphia, the disorder appears to affect a substantial number of individuals. We diagnosed reverse anorexia nervosa in 10% of our earlier unselected sample of 156 male bodybuilders. In the second ongoing study, we noted prominent features of muscle dysmorphia in 32 of 38 competitive female bodybuilders studied to date.

Harrison G. Pope, Mclean Hospitall Harvard Medical School

Das gibt dann doch wieder Hoffnung, was die Zahlen der Männer betrifft. Die Forscher weisen selbst darauf hin, dass die Auswahl der Zielgruppe die Zahlen verzerren kann. Natürlich wirst du unter Bodybuildern mehr Menschen mit Muscle Dysmorphia finden als unter "normalen Menschen". 10% scheint dann noch mitzufallen. Der Prozentsatz unter Frauen fällt deutlich höher aus. Das hat jedoch unter anderem damit zu tun, dass hierfür nur Wettkampf-Bodybuilderinnen befragt wurden. Wie oben gesagt, verlangt Wettkampfbodybuilding deutlich mehr von dir als "Hobbybuilding". Per Definition hast du eine größere Chance auf eine dysfunktionale Beschäftigung mit muskulös sein, wenn du Wettkämpfe machst.

Daneben ist es schwierig, gute Zahlen zu bekommen, weil manche durch die Muscle Dysmorphia nicht zu den Untersuchungen danach erscheinen, weil sie sich für ihre Figur schämen.

Habe ich Muscle Dysmorphia?

Während dieses Artikels wirst du beim Hören der Symptome wahrscheinlich oft deine eigene Situation gespiegelt haben, um zu beurteilen, ob du ein gesunder Sportler bist oder ein obsessiver Fall für den Psychiater. Ich jedenfalls schon. Die Forscher von Harvard haben die folgenden Kriterien aufgestellt, um zu beurteilen, ob jemand an Muscle Dysmorphia leidet:

Kriterien

  1.  The person has a preoccupation with the idea that one's body is not sufficiently lean and muscular. Characteristic associated behaviors include long hours of lifting weights and excessive attention to diet.
  2.  The preoccupation causes clinically significant distress or impainnent in social, occupational, or other important areas of functioning, as demonstrated by at least two of the following four criteria:
    • 2a) the individual frequently gives up important social, occupational, or recreational activities because of a compulsive need to maintain his or her workout and diet schedule;
    • 2b) the individual avoids situations where his or her body is exposed to others, or endures such situations only with marked distress or intense anxiety;
    • 2c) the preoccupation about the inadequacy of body size or musculature causes clinically significant distress or impairment in social, occupational, or other important areas of functioning;
    • 2d) the individual continues to work out, diet, or use ergogenic (perfonnance-enhancing) substances despite knowledge of adverse physical or psychological consequences.
  3. The primary focus of the preoccupation and behaviors is on being too small or inadequately muscular, as distinguished from fear of being fat, as in anorexia nervosa, or a primary preoccupation only with other aspects of appearance, as in other fonns of BOD.

Wie die Forscher angeben, ist es wichtig, Muscle Dysmorphia nicht mit Menschen zu verwechseln, die einfach Bodybuilding lieben:

Finally, it is important to note that muscle dysmorphia should not be confused with mere enthusiasm for bodybuilding. Many people may become so devoted to bodybuilding or other sports that they sometimes forgo other opportunities. However, ordinary dedication to sports is not associated with the profound body dissatisfaction, subjective distress, and impaired social and occupational functioning reported by individuals with frank muscle dysmorphia.

Um den Unterschied zu "normalen Bodybuildern" zu machen, die sich unter Punkt 1 angesprochen fühlen könnten, solltest du vor allem die Punkte unter 2) ansehen. Faktisch läuft es darauf hinaus, dass du dich zumindest fragen darfst, ob alles noch stimmt, wenn die Beschäftigung mit muskulös sein dafür sorgt, dass du weniger glücklich bist und/oder Chancen auf Glück liegen lässt, und wenn deine psychische und körperliche Gesundheit gerade schlechter wird.

Lies auch die anderen Beispiele unten. Das gibt ein deutliches Bild der schädlichen Folgen davon, zu obsessiv mit Muskelmasse beschäftigt zu sein. Wo ich zu Beginn der Durchsicht der Studien noch etwas zweifelte, ob ich selbst nicht auf dem Sofa Platz nehmen sollte, ist mir jetzt klar, dass das bei Weitem nicht der Fall ist. Schon allein die Tatsache, dass ich so eitel war, ein Foto von mir selbst als Beitragsbild für diesen Artikel zu verwenden, mit dem Spiegel, und dass in Teil I sogar zwei Fotos von mir selbst stehen, zeigt deutlich, dass ich wirklich keine Angst habe, meinen Körper zu zeigen, selbst nicht, wenn ich neben einem Pro-Bodybuilder ziemlich armselig aussehe.

Psychische Ursache

Aus den Beispielen ist deutlich, dass Menschen mit Muscle Dysmorphia häufig mehr Probleme haben oder hatten. Die Obsession mit Muskelmasse in Form von Muscle Dysmorphia scheint schlicht eine sehr spezifische Äußerung dieser Probleme zu sein. Wie in Teil I gesagt, ist Muscle Dysmorphia daher auch ein spezifischer Typ von Body Dysmorphic Disorder ("eine belastende oder einschränkende Beschäftigung mit einem nicht vorhandenen oder kleinen Defekt im körperlichen Erscheinungsbild"). Nicht umsonst kommt es relativ häufig vor, dass Menschen, die in der Vergangenheit Anorexia nervosa hatten, dies in umgekehrte Anorexie "umgewandelt" haben. Die zugrunde liegende Unzufriedenheit mit dem Aussehen, das nicht objektiv beurteilt werden kann, ist hier die Ursache.

In den Studien taucht auch wiederholt auf, dass die Suchtanfälligkeit bei Menschen mit Muscle Dysmorphia relativ groß ist. Das äußert sich nicht nur in der Trainingssucht, sondern auch im Gebrauch anaboler Steroide, der oft mit anderem Drogengebrauch kombiniert wird.

Es ist deshalb gut, das Risikoprofil in dir selbst zu erkennen. Das unterscheidet sich pro Person. Genau wie Menschen, die nach einem Joint süchtig sind, zweimal nachdenken sollten, bevor sie andere Drogen verwenden, während ein anderer das problemlos recreational tun kann. Besonders wenn du in der Vergangenheit mit einer Form von Body Dysmorphic Disorder oder speziell Anorexia nervosa oder Bulimie gekämpft hast, sei gewarnt! Ich sage nicht, dass du dann das Fitnessstudio meiden musst, wie ein Ex-Alkoholiker, den es angeblich nicht gibt, eine Kneipe meiden sollte. Wohl ist es klug, sofort objektive, gesunde und realistische Ziele zu setzen und dir ständig einen Spiegel vorzuhalten. Letzteres meine ich natürlich im übertragenen Sinn, denn wenn du das schon zehnmal am Tag tust, hast du laut Kriterien bereits ein Problem!

Wann psychische Begleitung?

Teil I dieses Artikels begann mit der These aus einer aktuellen Studie, dass Trainer Muscle Dysmorphia bei Kunden erkennen sollten. Wenn du die Beispiele gesehen und gelesen hast, welche beruflichen Entscheidungen Menschen mit Muscle Dysmorphia oft treffen, erkennst du das Problem mit dieser These bereits. Die Menschen mit Muscle Dysmorphia sind häufig selbst Trainer/Fitnesslehrer/Personal Trainer! Auch in den Fällen, in denen das nicht so ist, musst du nicht erwarten, dass jemand mit Muscle Dysmorphia Ratschläge von einem durchschnittlichen Fitnesslehrer in einem Fitnessstudio annimmt. Jemand mit Muscle Dysmorphia schaut den durchschnittlichen Fitnesslehrer an und denkt: "Wenn deine Physis eine Wiedergabe dessen ist, was du mir beibringen kannst, dann weiß ich genug". Das ist nicht immer berechtigt, aber verständlich. Ich selbst habe diese Erfahrung ebenfalls gemacht, als ich ernsthaft mit Bodybuilding anfangen wollte und merkte, dass dies ein Subspezialismus innerhalb des Krafttrainings ist, in dem nur wenige Fitnesslehrer und/oder Personal Trainer ausreichend spezialisiert sind. Das war der Anlass, mich dann eben selbst zu spezialisieren.

Worauf sie/wir wohl hören, sind Menschen, die erreicht haben, was sie/wir erreichen wollen. Das siehst du vor allem im sogenannten Contest Prepping, der Vorbereitung auf Wettkämpfe. Dabei kommt so viel zusammen, dass selbst jemand, der seit zehn Jahren Krafttraining macht, es angenehm finden kann, dabei begleitet zu werden. Muss dieser "Wettkampf-Coach" dann derjenige sein, der Muscle Dysmorphia erkennt und dich weiterverweist? Erstens haben wir dann wieder das Problem des Dealers, der seinen Kunden nicht schnell in eine Entzugsklinik schicken wird. Ein Unterschied dabei ist natürlich, dass ein Dealer sowieso weiß, dass seine Handlungen der Gesundheit seiner Kunden wahrscheinlich nicht guttun. Bei einem Wettkampf-Coach gehst du jedoch noch von guten Absichten in Kombination mit kommerziellen Interessen aus. Die Frage ist dann, welches von beiden für einen Coach schwerer wiegt.

Schließlich ist die Frage, ob ein solcher Coach das Problem überhaupt erkennen kann. Diese Person hat schließlich meist dieselbe Art Lifestyle wie ihre Klienten und eine Beschäftigung mit muskulös sein. Genau wie ich in beiden Teilen dieses Artikels Symptome beschreibe, die ich nicht als negativ sehe, den Drang zu trainieren und bestimmte Nahrung zu essen, wird ein Coach dahinter auch keine Probleme suchen. Meiner Ansicht nach sind es vor allem die unter Punkt 2 genannten Kriterien, auf die du achten solltest, aber das sind typische Dinge aus der persönlichen Sphäre. Davon wirst du als Coach wahrscheinlich erst erfahren, wenn du aktiv danach fragst.

Fazit: Die richtige Balance finden

Wie bei so vielen Dingen im Leben ist das Wichtigste, die richtige Balance zu finden. Dabei wird jeder andere Entscheidungen treffen, aber welche du auch triffst, zwinge dich, so objektiv wie möglich zu bleiben. Ich selbst finde mein Gewicht und meinen Fettanteil viel interessanter als das, was ich im Spiegel sehe, weil sie objektiv sind. Ich kann außerdem ein objektives Ziel setzen, bei dem ich sagen kann: "So ist es gut". Stellst du dich jedoch fünfmal pro Tag auf die Waage, dann hast du wieder so ein typisches Symptom von Muscle Dysmorphia erwischt.

Beruflich, sozial und relational ist es gut, dich zu fragen, welche Opfer verhältnismäßig sind. Ein bisschen Gemurre deines Partners, wenn du wieder trainieren gehst, werden viele akzeptabel finden, aber eine Beziehung wegen des Trainings zu beenden, geht vielleicht wieder zu weit. Ich sage "vielleicht", weil auch das relativ ist. Trainierst du seit zehn Jahren ernsthaft und hast gerade seit einer Woche einen neuen Partner, der von dir verlangt, das komplett umzuwerfen, dann ist es vielleicht nicht seltsam, wenn du dich fragst, was dir wichtiger ist. Bist du seit zehn Jahren verheiratet und habt ihr gemeinsam Kinder, dann wird eine solche Abwägung ganz anders aussehen müssen.

Die Frage, die ich mir beim Festlegen eines Budgets für Supplements oft stelle, ist einfach: "Sind diese paar hundert Gramm bis möglicherweise ein paar Kilo zusätzliche Muskelmasse das wert?". Dieselbe Frage kannst du dir für alles stellen, was du in deinen Körper investierst. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass du dir selbst eine gute Antwort geben kannst.

Weitere Beispiele (1):

 Case 1:

Mr. A. is a 27-year-old, single, white, heterosexual man. He is 66 inches tall and weighs 203 pounds. His body fat is measured at 17%-a figure that is average, or perhaps slightly leaner than average, for an American man of his age. By contrast, his FFMI is 28 kgl/m2-a figure indicating massive muscularity, well beyond what could normally be achieved without use of anabolic steroids or other drugs. Despite his size, Mr. A. does not believe that he is muscular, but he feels very fat and unhappy with his body proportions. He was surprised
to find that his body fat was 17%, believing that he was much fatter.

Mr. A. reports that, since the age of 19, all of his waking hours are consumed with preoccupations of getting bigger. He tries to resist these thoughts, but reports success only half of the time. He weighs himself 2-3 times daily and checks mirrors 10-12 times a day to monitor his physique. He wears baggy sweatshirts and long pants even in the heat of summer to disguise his perceived "smallness," He has a friend the same height and weight as himself, but he sees his friend as "huge" by comparison with himself.

Mr. A. routinely gives up enjoyable activities because of this preoccupation. He declined an invitation from friends to go to a college reunion for fear that people would comment on his "small body," He never eats in restaurants because he maintains a strict diet to enhance muscularity and minimize fat. He has sacrificed or compromised relationships with women, friends, and family because of this preoccupation. He reports that if he were forced to forgo weightlifting for a single day, he would become anxious and depressed.

On the SCID, Mr. A. reports a past history of major depression. He also reports past cannabis dependence, stimulant dependence, and hallucinogen dependence. He reports use of anabolic steroids for much of the time since he was 18. He has been free of all drugs for 6 months but admits that he is constantly tempted to resume steroid use.
Case 2:

Mr. B. is a 22-year-old, single, white, homosexual, business-school student. He is 71.5 inches tall and weighs 252 pounds. His body fat is measured at 25%, and his FFMI is a very muscular 25.9 kgl/m2, suggesting possible anabolic steroid use, although he denies this. He feels very dissatisfied with the way his body is proportioned. Since the age of 18, Mr. B. has spent 6 days a week lifting weights and at least 4 hours a day being preoccupied with thoughts of becoming more muscular. He weighs himself 10 times weekly and checks mirrors almost every time he passes one. He wishes that he would not look in mirrors constantly but feels as if he has little control over this behavior.

His belief in his "small size" leads him to wear baggy sweatshirts, always with long sleeves, for fear that someone may comment on his lack of muscularity. Mr. B. reports that he has lost many friends and sexual partners because he feels compelled to go to the gym rather than spend time with them. When he is with friends, he frequently questions them about his appearance. He constantly compares himself to other men at the gym and wishes that he could look as big as he perceives the other men to look.

Lifting weights preempts all other activities in Mr. B:s life. He reports feeling frustrated and anxious when he is not able to go to the gymnasium. He reports that he would feel ''uncomfortable'' if he could not exercise for a day and "extremely uncomfortable" if he could not work out for a week. He often forces himself to eat, even when he is clearly
not hungry, for fear that not eating will result in a decrease in muscularity. On the SCID, Mr. B. reports a history of bipolar disorder with at least two prior manic episodes,
neither of which was diagnosed at the time. Recently, he developed a mixed episode that was correctly diagnosed and successfully treated with lithium carbonate. He also currently has panic disorder and obsessive-compulsive disorder.
Case 4:

Ms. D., a 29-year-old, single, white woman with no past medical or psychiatric history, has been bodybuilding for 10 years. In her teens, she was a nationally recognized ballet dancer. Although she trained rigorously for dancing, she was of normal weight and showed no evidence of an eating disorder. She then began bodybuilding specifically
to replace dancing.

When not competing, she maintains her body fat at an extremely low 8-9% through a scrupulous diet and rigorous workout schedule. She is 66 inches tall, her off-season weight is 140 pounds, and her most recent competition weight was 126 pounds at a body fat of 5%. She brought with her to the interview a handwritten log of her muscle circumferences, pounds of weight lifted, and body fat, measured repeatedly over the last several years.

To maintain her low body fat, she eats a regimented diet of precise amounts of specific foods year round. Each morning, she prepares numerous plastic bags with food portions for the day: 1.75 ounces of tuna, one-quarter cup of rice, and precise quantities of various vegetables. She carries these with her and eats them at specific times. Although her physician has urged her to increase her body fat in the off season (if only to permit menstruation), she refuses, claiming that his opinion is uninformed. In reality, she cannot tolerate her appearance with body fat over 9%. After her first bodybuilding contest, she "lost control" of her diet briefly and quickly perceived her body as unacceptable, although she had remained very muscular, lean, and fit. She felt extremely depressed and anxious until she regained her current maintenance level.

She describes bodybuilding as an all-consuming lifestyle that preempts all other commitments; she only rarely sees her boyfriend or family. Despite holding a professional degree, she works as a personal trainer in a gymnasium because this is the only job that allows her enough time for her own exercise regimen.

Referenzen

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  3. Phillips KA, McElroy SL, Keck PE Jr, et a1: A comparison of delusional and nondelusional body dysmorphic disorder in 100 cases. Psychophannacol Bull 1994;30:179-186
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  5. Hunt TJ, Thienhaus O, Ellwood A (July 2008). "The mirror lies: body dysmorphic disorder". Am Fam Physician 78 (2): 217–22. PMID 18697504.
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  15. Thomas, Adam; Tod, David A.; Edwards, Christian J.; McGuigan, Michael R.DRIVE FOR MUSCULARITY AND SOCIAL PHYSIQUE ANXIETY MEDIATE THE PERCEIVED IDEAL PHYSIQUE MUSCLE DYSMORPHIA RELATIONSHIP. Journal of Strength & Conditioning Research:POST ACCEPTANCE, 16 June 2014doi: 10.1519/JSC.0000000000000573

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