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Meinung

Süchtig nach Energy Drinks oder einfach süchtig?

| · 5 Min. Lesezeit

"Eine Sucht nach Energydrinks". Auch letzte Woche wieder in den Nachrichten. Problemlos vier Energy Drinks pro Tag trinken. Ich kann mir das leider sehr gut vorstellen als (Ex-)Bullit-Junkie.

Bullit-Junkie

Bullit, dieses teuflische Getränk in einer verführerisch schlanken Hülle. So ein ideales Format, um nach 10 Minuten im Gefrierfach schon die perfekte Trinktemperatur zu erreichen. Dieses herrliche Geräusch beim Öffnen der Dose und die von Kohlensäure getragenen Düfte, die deine Nase streicheln. Und dann der erste Schluck, Mann, dieser erste Schluck! Schnell gefolgt vom zweiten und dritten natürlich. Dieser direkte Energiestoß, durch den du spontan Liegestütze machst.

Herrlich... Schrecklich...

Versteh mich nicht falsch: Ich mache mir nicht sofort Sorgen über eine zu hohe Koffeinaufnahme oder über Zucker, was das betrifft. Auch nicht nach dem Lesen des Artikels in der Metro vom 16. Mai mit dem Titel .‘Ik heb kunstgebit nodig na verslaving energiedranken’[1]. Laut Richtlinien sollte meine Sucht nicht direkt eine Gefahr darstellen. Über Koffein als Sport-Supplement habe ich außerdem ausführlich und ziemlich positiv geschrieben. Es nervt mich nur, dass es eine Sucht ist. Ich finde es einfach lecker und "muss" es haben.

Das heißt nicht, dass ich diese Sucht jetzt nicht unter Kontrolle habe. Zum Entzug habe ich Cola benutzt, so wie ein Heroinabhängiger Methadon benutzt. Jetzt entwöhne ich mich (zum x-ten Mal) von Cola.

Bis jetzt hat mein Körper nie gegen meine Süchte protestiert, zumindest nicht sichtbar. Ich kann es nur nicht ausstehen, wenn ich bestimmtes Verhalten nicht unter Kontrolle habe, sondern das Verhalten mich kontrolliert. 'You lack a discipline!", höre ich Cartman dann wieder sagen. Man muss kein Übergewicht haben, um eine Esssucht zu verstehen. Manchmal kann man dieses schlechte Verhalten mit viel Training und sehr viel Glück beim Stoffwechsel ziemlich gut kompensieren.

Bullit, süße Harlekijntjes, Nutella und M&M's (gelbe natürlich). My poisons of choice. Nicht gerade die Basis für eine gute Ernährung. Ich kenne auch bessere Supplements.

Orale Fixierung

"Hauptsache, dieses Mündchen bleibt beschäftigt", sagt meine Frau manchmal, wenn ich erst Lakritz in mich hineinschiebe, dann wieder vier Brote mit Nutella esse und anschließend auf die Suche nach M&M-Resten gehe. Ich habe auch lange mit einer Art oraler Fixierung gerechnet, aber es liegt anders.

Es ist nicht so sehr, dass mein Mund beschäftigt bleiben muss; ICH muss beschäftigt bleiben. Nur bei einem kleinen Teil der abendlichen Süßigkeitenanfälle hatte ich wirklich Bedarf an all dem Süßen. Oft ist es nur die Suche nach einer Beschäftigung in inaktiven Momenten wie abends auf dem Sofa vor dem Fernseher. Genau wie Rauchen übrigens. Seit ich vollständig als Unternehmer arbeite, ist das zum Glück viel weniger geworden. Einen Abend einfach auf dem Sofa liegend fernsehen, kommt fast nie mehr vor. Erstens, weil ich sitze, aber wichtiger noch, weil ich meinen Laptop erst weglege, wenn ich schlafen gehe.

Fressen aus Langeweile stellte sich also ebenfalls als Faktor heraus. Zum Glück habe ich mich seit Jahren nicht mehr gelangweilt.

"Ich brauche jetzt Brinta!"

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Bei Bullit ist das anders. Bullit trinke ich nicht aus Langeweile, sondern schlicht, wenn ich Durst habe.

Jetzt sage ich bewusst nicht, dass ich von Bullit los bin, nur dass ich es unter Kontrolle habe. Du weißt, was man sagt: "Einmal süchtig, immer süchtig". Ich meide daher den Gang mit Süßigkeiten und Softdrinks so, wie ein Alkoholiker die offene Bar auf einer langweiligen Betriebsfeier meidet. Wenn ich im lokalen Jumbo doch hindurch muss, fühlt es sich an wie Spießrutenlaufen. Erst links vorbei an Harlekijntjes und M&M's und dann weiter rechts die ultimative Herausforderung: Bullit. Ein paar Mal konnte ich mich dort retten, indem ich fast zu der Cola gerannt bin, die ein paar Regale weiter steht.

Nutella ist meine hartnäckigste Sucht mit einer Laufbahn von 30 Jahren, inzwischen aber zum 'sozialen Rauchen' degradiert. Du kennst das von Menschen, die nur auf Partys rauchen, ohne Angst zu haben, wieder süchtig zu werden. Von Nutella wage ich fast zu sagen, dass ich davon los bin, nur weil ich es durch meine einzige positive Sucht ersetzen konnte: Brinta. Served with chilled milk in meinem Fall.

Brinta ist daher mein Hoffnungsschimmer als Süchtiger. Ich muss es zum Frühstück haben, sonst bin ich aus der Bahn. Der Beweis, dass gute Verhaltensweisen in 'konstruktive Süchte' verwandelt werden können. Natürlich hätte ich ein großes Problem, wenn ich jetzt plötzlich eine Laktoseallergie bekomme. Brinta mit Wasser ist wirklich widerlich.

Jetzt muss ich also noch von Methadon/Cola loskommen. Versuche, die Cola durch 'weniger ungesunde' Kohlensäuregetränke zu ersetzen, sind bisher ziemlich erfolgreich. Kohlensäure ist offenbar mein Morphin.

Was ist dein Gift?

In meinem Fall sind es also vor allem Zucker, wobei möglicherweise die Kombination mit Koffein für eine fast unwiderstehliche Verlockung sorgt.

Ich bewundere immer Menschen, die eine Art intrinsische eiserne Disziplin haben. Ob es nun um Arbeit, Gesundheit oder sogar den Haushalt geht. Ich selbst habe das nicht. Versteh mich nicht falsch: Ich habe schon Disziplin, aber nur für Dinge, für die ich eine starke Motivation habe. Dinge, die mich mit interessanten Belohnungen als Aussicht ansprechen. Ich trainiere nicht, weil ich weiß, dass ich trainieren sollte. Ich trainiere, weil ich muskulös aussehen möchte. Zum Glück habe ich eine recht gute Veranlagung, sodass Ergebnisse schnell sichtbar waren. Sonst wäre ich wahrscheinlich beim Basketball geblieben, mit Spaß als direkter Belohnung.

Also keine Disziplin um der Disziplin willen. Ich ziehe Trost aus der Tatsache, dass es wenige gibt, die so eine intrinsische Disziplin haben. Die meisten haben irgendeine Form von Gift. Eine Art Nahrung oder Aktivität, nach der ein unerklärliches, nicht zu rechtfertigendes und doch nicht zu stillendes Bedürfnis besteht.

Was ist dein Gift und wie gehst du damit um? Ich höre es gern!

Referenzen

  • metronieuws.nl/in-het-nieuws/het-gesprek/2017/05/kunstgebit-nodig-na-verslaving-energiedrank

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