Wenn Frauen, die wegen ihres Körpers unsicher sind, auf einen "Dad Bod" stehen, bedeutet das dann, dass schöne Frauen auf einen Mann mit Waschbrettbauch fliegen? Und wer hat sich diesen bescheuerten Begriff ausgedacht?
"Dad Bod"
Gestern erschien hier bereits ein Artikel über den Dad Bod. Ein objektiver Bericht über das Phänomen, das Dad Bod genannt wird;
Der männliche Körper mit Rundungen und ohne Sixpack soll also genau das sein, was die meisten Frauen attraktiv finden.
Als ich vor zwei Wochen auf Facebook einiges dazu vorbeikommen sah, nahm ich das Ganze nicht ernst. "Ein ziemlich schwacher Versuch eines Mannes mit Bierbauch, die öffentliche Wahrnehmung zu seinen Gunsten zu drehen", dachte ich.
"Das weht schon wieder vorbei, genau wie der Metromann".
Doch nein.
Der Dad Bod nimmt vielmehr Fahrt auf, und der Gedanke hinter dem Dad Bod wird offenbar durch den Blog der amerikanischen Studentin Mackenzie Pearson bekannt. Anschließend macht Editie NL eine Umfrage, aus der hervorgehen soll, dass der überwiegende Teil der niederländischen Frauen ihr zustimmt.
Ich kann gar nicht anders, als mich berufen zu fühlen, den Dad Bod und den Gedanken dahinter etwas kritischer (und subjektiver) zu betrachten.
Dad Bod? Einfach Bad Bod!
Mackenzie ist Studentin und schreibt in ihrem Blog, dass Studenten, die das Fitnessstudio einmal ausfallen lassen und stattdessen noch ein zusätzliches Bier nehmen, dafür offenbar belohnt werden[1].
Sie hörte den Begriff Dad Bod, als eine Freundin von ihr damit anfing.
"Jungs, die gern ein Bier trinken, aber auch trainieren".
Warum dann der Begriff Dad Bod, wenn es schlicht um jeden geht, der keinen Weg gefunden hat, die Balance zwischen Spaß und einem schönen Körper zu finden?
Als 38-jähriger Vater mit Sixpack fühle ich mich von dem Begriff daher überhaupt nicht angesprochen. Lasst uns Väter da bitte raus und denkt euch eine andere Ausrede für euren Bierbauch aus.
Vaterschaft ist keinerlei Ausrede für eine weniger gute Figur, und gerade eine Frau sollte das verstehen.
Männer können zwar über schwieriges Verhalten schwangerer Frauen klagen, aber das ist doch wirklich etwas anderes, als selbst neun Monate lang ein Kind zu tragen und alle körperlichen Folgen davon mitzunehmen.
Ok, das Stresshormon Cortisol kann bei Bauchfett eine Rolle spielen [2,3]. Cortisol kann dafür sorgen, dass dein Körper weniger Insulin freisetzt, damit dein Blutzucker als Energie verfügbar bleibt, um der Stressquelle zu begegnen. Also mehr Glukose, die in Fett umgewandelt werden kann.
In der heutigen Welt gibt es jedoch noch deutlich mehr Stressfaktoren als Kinder.
Ein bisschen mies, ausgerechnet deinem Nachwuchs die Schuld für deinen Bierbauch zu geben.
"Fühle mich von einem Bierbäuchlein nicht eingeschüchtert"
Wir wollen keinen Typen, bei dem wir uns wegen unseres Körpers unsicher fühlen. Unsicher genug sind wir ohnehin.
Mackenzie Pearson
Also stehen Frauen, die sich wegen ihres Körpers nicht unsicher fühlen, sehr wohl auf Männer mit Sixpack?
Das ist aus meiner Sicht eine Win-win-Situation für die Besitzer eines Sixpacks.
Eine Frau kann sich in ihrem Körper sicher fühlen, weil sie einfach eine sehr selbstbewusste Frau ist, unabhängig von ihrem Aussehen.
Als moderner Mann finde ich eine selbstbewusste Frau sehr attraktiv. Das war die politisch korrekte Antwort, aber heimlich hoffe ich natürlich, dass all diese anderen Frauen so selbstbewusst sind, weil sie einfach eine schöne Figur haben.
Wenn das diejenigen sind, die einen Mann mit Waschbrettbauch attraktiv finden, dann sehe ich darin nicht gerade einen Grund, das Sixpack loszuwerden.
Umgekehrt denke ich übrigens, dass Männer dann doch etwas selbstbewusster wären, wenn ihnen eine vergleichbare Wahl vorgelegt wird. "Zu schön für mich" sind Worte, die ich noch nie einen Mann habe aussprechen hören. Aber ja, wir sind schließlich oberflächlich.
"Dann weiß ich, worauf ich mich einlasse"
Das unsinnigste Argument für den Dad Bod:
Wenn er also schon einen Dad Bod hat, können wir uns daran gewöhnen, bevor wir mit ihm ausgehen, ihn heiraten und drei Kinder bekommen.
Mackenzie Pearson
So scherzte ich auch manchmal, als ich meine Frau kennenlernte, die bereits zwei Kinder hatte. Aber das ist nicht vergleichbar, denn ich hatte recht. Meine Frau hatte bereits zwei Schwangerschaften überstanden und hat zwanzig Jahre und ein drittes Kind später immer noch eine bessere Figur als so mancher Teenager.
Bei einem Bierbauch eines männlichen Studenten so zu argumentieren, ist eigentlich genau das Gegenteil dessen, was man tun sollte. Wer sagt denn, dass das der Endzustand ist? Ich habe noch nie einen Mann sagen hören:
"Ich suche eine dickere Frau, denn dann weiß ich schon, wie sie aussieht, wenn wir Kinder haben".
Männer sind wahrscheinlich schon schlau genug, sich heimlich in Gedanken ein paar Kilo dazuzudenken.
Dieser "süße, nicht einschüchternde Bierbauch" kann schnell mal zu einem Bierfass heranwachsen. Dass es dir in jungen Jahren nicht gelingt, eine bestimmte Figur zu erreichen, ob aus Unwissenheit oder aus mangelndem Interesse daran, scheint mir nicht gerade eine Garantie dafür, dass jemand sein Gewicht hält.
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"Solange ich nur die Schönste bin"
Aber das wäre laut Mackenzie wahrscheinlich überhaupt nicht schlimm:
Wir wollen schlank aussehen, und je größer der Typ ist, desto kleiner fühlen wir uns und desto besser sehen wir neben dir auf einem Foto aus.
Mackenzie Pearson
Als Fotograf bin ich damit nicht ganz einverstanden.
Ja, ich werde die Frau wahrscheinlich halb vor den Mann stellen, um seine umfangreichere Figur etwas zu verdecken. Also stehst du schön im Rampenlicht und siehst auf dem Foto am besten aus. So etwas erinnert mich an das "Big-fish-little-pond-effect", wie es Malcolm Gladwell in "David and Goliath" beschreibt. Dabei geht es darum, dass man sich gut fühlt, solange man besser abschneidet als seinesgleichen, ein bisschen wie relative Armut.
Ich denke allerdings positiver über Frauen, als anzunehmen, dass sie so egoistisch und eitel sind, auf unsere Kosten gut aussehen zu müssen. Andererseits habe ich (leider) genug Sendungen über Bridezillas gesehen, um das offenbar instinktive Bedürfnis der Frau, die Schönste zu sein, anzuerkennen.
Persönlich setze ich jedoch lieber auf das schönste Gesamtbild und sehe vor der Kamera lieber ein schönes Paar als eine Frau mit einem Mann, der als Hintergrundkulisse dient.
"Keine Essensobsession"
Der Dad Bod kann zwischendurch ruhig einen Taco essen, während wir Fitnessfreaks Meal Prep machen und uns nie trauen, von unserer Diät abzuweichen, so Mackenzie.
Zugegeben, in "Muskeldysmorphie" beschrieb ich dieses Phänomen, das bei manchen das Sozialleben ziemlich beeinflussen kann.
Der echte Fitness-Lifestyle bedeutet, eine Balance zwischen den vernünftigen Dingen im Leben und den Genüssen zu finden.
Wir sind nicht alle völlig durchgedreht. Sieh dir nur die stark gewachsene, auf andere Weise durchgedrehte "Jersey-Shore-Generation" an, die sich jedes Wochenende auf Festivals volllaufen lässt und montags wieder im Fitnessstudio trainiert, mit Sixpack.
Und manchmal sogar natural!
Noch wichtiger: Statt dich gut zu fühlen, weil dein Mann dicker ist, wäre es vielleicht schöner, wenn du dir ein paar seiner gesunden Gewohnheiten abschauen könntest. Dann steht ihr beide gut auf dem Foto.
Es kuschelt weicher
Touché.
Zumindest solange es kein Bierfass ist, wenn dieses knuffige Studentchen tatsächlich Vater geworden ist. Wenn du nämlich doch Bedarf an etwas Härterem hast, ist es nicht schön, wenn du erst eine Viertelstunde danach suchen musst.
MacKenzie wer?
Mackenzie ist eine Studentin, die schlicht eine Erklärung für den Geschmack einer Freundin und anderer mit demselben Geschmack erfindet. Ihr Artikel bekommt sogenannte Legitimität durch Umfragen wie die von Editie NL und Blogs wie queerty.com.
Sie stellten die Frage: "Sind Dad Bods sexy?"[4].
82% sagen ja!
Was übrigens nicht bedeutet, dass sie ein Sixpack nicht sexy finden, denke ich dann hoffnungsvoll.
An sich ist es möglich, dass die in den Umfragen gezeigte Präferenz tatsächlich repräsentativ für den Geschmack der "durchschnittlichen Frau" ist.
Ich meine, Geschmäcker können nun einmal verschieden sein, auch ohne psychologische Begründung.
Wenn man danach suchen muss, dann fände ich echte Forschung über den Grund dieser Vorliebe interessanter als die Annahmen von MacKenzie.
Die übrigens durchaus Lob verdient, weil sie es schafft, in 500 Worten das Idealbild des Mannes zu zerstören und allen Personal Trainern die Arbeit zu nehmen, wäre da nicht die Tatsache, dass ihre Kunden vor allem aus Frauen bestehen.
Frauen, die dann aber den Trainern auf die Arme sabbern und völlig hysterisch kreischen, wenn männliche Stripper (mit Sixpack) auftreten, wodurch sie uns Männer vollkommen verwirrt zurücklassen, was nun eigentlich das Idealbild ist.
Einfach sauer
Ich bin natürlich einfach sauer, dass mich fast 2/3 der Frauen offenbar nicht attraktiv finden, zumindest laut Editie.nl.
Daher der Titel.
Und ich bin von Natur aus definiert!
Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie angepisst du sein musst, wenn du jahrelang knallhart dafür gearbeitet hast.
Ich habe jedoch online eine Lösung gefunden: "The Beer Belly".
Eine tragbare Trinkflasche, die du unter deiner Kleidung trägst und die den Eindruck eines Bierbäuchleins erzeugt, in dem tatsächlich Bier ist!
Referenzen:
- theodysseyonline.com/clemson/dad-bod/97484
- Moyer AE, Rodin J, Grilo CM, Cummings N, Larson LM, Rebuffé-Scrive M. Stress-induced cortisol response and fat distribution in women. Obes Res. 1994
May;2(3):255-62. PubMed PMID: 16353426. - Epel EE, Moyer AE, Martin CD, Macary S, Cummings N, Rodin J, Rebuffe-Scrive M. Stress-induced cortisol, mood, and fat distribution in men. Obes Res. 1999
Jan;7(1):9-15. PubMed PMID: 10023725. - queerty.com/beer-bellies-are-now-officially-considered-sexy-youre-welcome-20150506
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