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Meinung

Photoshop, um Fitnessmodelle optimal darzustellen?

| · 9 Min. Lesezeit

Ist es unfair, Photoshop zu verwenden, um den Körperbau einer Person optimal zu zeigen? Zeigst du damit ein falsches Bild der Realität? Was ist 'photoshoppen' eigentlich?

"Photoshop ist fake"

Neulich bekam ich wieder einmal die Frage: "photoshopst du deine Fotos auch?". Es war jemand, der mich als Fitnessfotograf regelmäßig Fotoshootings im Fitnessstudio machen sieht, meine Fotos aber offenbar noch nicht gesehen hatte. "Natürlich benutze ich Photoshop", sagte ich ziemlich erstaunt.

"Ist das nicht Schummeln?", fragte er anschließend.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich damals aus Ärger reagierte: "Tja, ich finde Anabolika zu benutzen Schummeln", obwohl ich wusste, dass ich nicht mit einem 'Natural' sprach. Erstens war das ein Tiefschlag. Wichtiger noch: Ich sehe Anabolikagebrauch nicht als Schummeln, ich spiele schlicht ein anderes Spiel. Den Vergleich zog ich jedoch nicht ohne Grund. Nutzer von Anabolika erleben regelmäßig, dass ihre eigenen Anstrengungen mit Aussagen wie "Das kommt doch alles aus der Dose" beiseitegeschoben werden. Ich versuchte klarzumachen, dass ich solche Fotos ohne die harte Arbeit und den guten Körperbau meiner Kunden nicht machen könnte.

"Photoshoppen"

Das Problem lag hier zunächst in einer unterschiedlichen Definition des Wortes "photoshoppen". Ich merkte, dass er darunter etwas ganz anderes verstand als ich. "Photoshoppen" hat oft eine negative Verbindung. Es wird häufig im Kontext von Fotos genannt, bei denen ein Körper zum Beispiel schlanker gemacht wird, Augen größer gemacht werden und Zähne weißer werden. "Photoshoppen" wird oft als visuelle Verfälschung der Wirklichkeit gesehen. Ich verstehe das auch bei Beispielen von Menschen, die sich größer machen, aber vergessen, dass das Meer im Hintergrund normalerweise einen geraden Horizont bilden sollte, statt sich zu wölben.

Letzte Woche las ich von einer neuen App, die darauf ausgerichtet ist, in Fotos zu erkennen, ob diese bearbeitet wurden. So soll man sich gegen ein verzerrtes Bild der Realität wappnen können, auch in weniger eindeutigen Fällen wie hier daneben.

In manchen Fällen ist dieses Bild der Verfälschung der Wirklichkeit also berechtigt. Es gibt genug Fälle, in denen ein Model sich durch große Anpassungen selbst nicht mehr wiedererkennen würde. Das Foto kann dann allerdings für einen Auftraggeber gemacht worden sein, dem das überhaupt nicht wichtig ist, sondern der nur ein bestimmtes Bild vor Augen hat.

In den meisten Fällen wird Photoshop jedoch ganz anders eingesetzt. Photoshop ist nur ein Mittel, durch das ich viel mehr Möglichkeiten habe, das Bild umzusetzen, das ich vor mir sehe. Damit kann man natürlich in alle Richtungen gehen. Als Fitnessfotograf werde ich jedoch engagiert, um die harte Arbeit einer Person so schön wie möglich festzuhalten. Das ist eine erhebliche Verantwortung, wenn man bedenkt, dass manche Menschen manchmal Monate oder länger speziell für das Shooting trainieren und Diät halten.

Dafür nutze ich einerseits alle Mittel, um den Körperbau des Kunden so gut wie möglich zur Geltung zu bringen. Andererseits habe ich einige Prinzipien, an die ich mich streng halte.

  • Der Kunde muss sich selbst weiterhin erkennen können und von anderen erkannt werden
  • Ich mache niemanden schlanker oder größer, die Proportionen des Körpers bleiben immer gleich

Mein Kunde möchte schließlich Fotos von sich selbst und nicht von einer Fantasiefigur in meinem Kopf. Als Model möchtest du im Nachhinein auch stolz darauf sein, dass deine harte Arbeit zu diesem Ergebnis geführt hat und deine Figur nicht zu 80% von Photoshop bestimmt wird.

Ich sage daher immer: "Ein Sixpack kann ich schärfer machen und Muskeldefinition härter, aber dann müssen dieser Sixpack und diese Muskeldefinition auch vorhanden sein. In vielen Fällen nehme ich mehr Anpassungen am Hintergrund vor als am Model selbst.

Photoshop-Fitness

Verschönere ich dann das Bild oder verfälsche ich es? Ich nehme dich hier gern mit durch die Schritte, die ich in der Nachbearbeitung eines Fotos mache, damit du das selbst beurteilen kannst.

Dies ist das unbearbeitete Foto eines Self-Shootings, das ich letztes Jahr gemacht habe.

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Ich arbeite wie viele Fotografen sowohl mit Lightroom als auch mit Photoshop, beide von Adobe, mit denen ich in keiner Weise verbunden bin außer als Nutzer. Lightroom wird als Katalog für all meine Fotos und für die ersten grundlegenden Bearbeitungen der Belichtung verwendet. Vor allem den Kontrast zwischen Hell und Dunkel sehe ich mir hier an. Auch mache ich darin bereits einen Schritt zur Schärfung der Muskeldefinition. Das tue ich, indem ich lokal an den Muskeln den Unterschied zwischen Schatten und hellen Tönen vergrößere. Dieser Kontrast bestimmt schließlich, wie tief die Linien wirken. Diesen Kontrast habe ich natürlich schon beim Fotografieren mit meiner Beleuchtung so groß wie möglich gemacht.

Anschließend bringe ich das Foto nach Photoshop, wo die größeren Anpassungen vorgenommen werden. Zuerst schaue ich mir den 'Crop' an, also die Proportionen des Fotos. Schneide ich irgendwo ein Stück ab oder füge ich ein Stück hinzu, letzteres ist je nach Hintergrund natürlich deutlich schwieriger. Um diese letzte Möglichkeit zu haben, mache ich das in Photoshop; nur das Zuschneiden hätte auch in Lightroom gekonnt. In diesem Fall habe ich einen Blitz verwendet, von oben, und die anderen beiden Blitze waren an der Seite ausgeschaltet. Die hätte ich natürlich kurz zur Seite schieben können, aber das würde das Shooting verlangsamen. Man hat oft die Wahl, etwas während des Shootings anzupassen oder im Nachhinein. Puristische Fotografen werden möglichst viel während des Shootings machen wollen und möglichst wenig danach. Ich schaue vor allem darauf, was am wenigsten Zeit kostet, insbesondere während des Shootings, um möglichst viele Shots

machen zu können).

Mein nächster Schritt ist das Entfernen von allem im Hintergrund. Im Studio ist das oft meine eigene Beleuchtung oder der Rand eines Hintergrundschirms. Ich muss natürlich den ganzen Körper ins Bild bekommen und recht 'weit' fotografieren, wodurch schnell Dinge ins Bild kommen, die man nicht sehen möchte. Meine Beleuchtung musste in diesem Fall so nah heran, und ich wusste daher schon, dass ich das später beheben würde. Vor Ort kann man an allerlei ablenkende Dinge im Hintergrund denken: eine Steckdose an der Wand, jemand, der im Fitnessstudio im Hintergrund läuft, ein Auto, das genau in dem Moment vorbeifährt, in dem du ein schönes Foto gemacht hast, und so weiter.

Erst dann arbeite ich am Model selbst. Auch beim Model beginne ich wieder damit, Dinge zu entfernen, die man lieber nicht sehen möchte. Hier kann man diskutieren, inwieweit dadurch die Realität verzerrt wird. Manchmal korrigiere ich hier etwas, das ich selbst verursacht habe. Der hohe Kontrast für die Muskeldefinition kann zum Beispiel auch für mehr Kontrast bei Falten oder Augenringen sorgen. Das kann ich mit einem zusätzlichen Blitz neben den zwei bis drei Blitzen beheben, die ich ohnehin verwende, aber das kostet vor Ort viel mehr Zeit als eine spätere Anpassung. In anderen Fällen hat der Kunde gerade in dieser Woche einen störenden Pickel im Gesicht; niemand wird es seltsam finden, wenn man den entfernt. Jemand mit viel Akne ist jedoch nicht mehr wiederzuerkennen, wenn man alle Akne entfernt. Dann entferne ich oft die Hälfte und mache den Rest weniger sichtbar. Wiedererkennbar, aber schon etwas weiter von der Wirklichkeit entfernt.

Außerdem kann man an alles Mögliche denken: lose Haarsträhnen, ein herausstehendes Etikett, alles, was auf störende Weise die Aufmerksamkeit ablenkt.

Erst dann beginne ich mit den 'Verbesserungen'. Der erste Schritt besteht aus einer Reihe von Handlungen, um die Muskeldefinition zu vergrößern. Eine Methode, die ich selbst entwickelt habe und als Standardaktion in Photoshop ausführen kann. Anschließend kann ich diesen Effekt manuell an den Stellen anwenden, an denen ich ihn haben möchte. Anders als bei einem Filter, der über das ganze Foto gelegt wird, werden die Effekte, die ich nutze, meistens auf bestimmte Teile des Fotos angewendet.

Manchmal kann ich danach für eine Art Glanzschicht sorgen, die eine schöne Ausstrahlung gibt.

Danach kann ich mir die allgemeine Farbverteilung ansehen und mich zum Beispiel dafür entscheiden, dem Hintergrund eine andere Tönung zu geben als dem Model.

Zum Schluss schärfe ich einige Dinge für mehr Schärfe, zum Beispiel die Augen, aber gerade nicht die Haut.

Das sind nur die Schritte, die ich ziemlich standardmäßig für Fitnessfotografie anwende. Es gibt noch Dutzende andere Anpassungen, die ich je nach Foto verwenden kann. Du kannst dir vorstellen, dass ich nach all dieser Maßarbeit nie froh werde, wenn ich sehe, dass jemand anschließend einen Instagram-Filter darüberlegt. Das fühlt sich für mich ein bisschen so an, wie es sich für einen Chefkoch in einem Fünf-Sterne-Restaurant anfühlen muss, wenn jemand Ketchup über seine Kreation gießt.

Die größten Anpassungen mache ich meistens am Hintergrund. Zum Beispiel in Fällen, in denen ich den gesamten Hintergrund ersetze, wie bei dem untenstehenden Foto, das an einem grauen Tag gemacht wurde.

Fake oder nicht?

Ich darf also hoffen, dass jemand sieht, dass ich ziemlich viel Zeit in die Nachbearbeitung stecke. Im Durchschnitt zwei- bis viermal so viel Zeit wie in das Shooting selbst. Ich sehe es als wichtigen Teil meines Prozesses als Künstler, so prätentiös das auch klingen mag.

Ist das ein verzerrtes Bild? Ja, denn wenn es keinen Unterschied machte, hätte ich es schließlich nicht getan. Macht es einen erreichbaren Körperbau unerreichbar? Das glaube ich nicht. Ich könnte dieselben Schritte mit dem Foto einer untrainierten Person machen und sie dadurch nicht plötzlich in einen Bodybuilder verwandeln.

Das bedeutet auch nicht, dass es ein 'realistisches Bild' ist. Die Kunden, mit denen ich arbeite, sind in Bezug auf ihre Shape nicht gerade eine Darstellung des durchschnittlichen Niederländers. Die meisten müssen dafür extrem hart arbeiten und oft ist es im wörtlichen und übertragenen Sinn eine Momentaufnahme. Ob das Bild, das ich in meinen Fotos zeige, für jemand anderen erreichbar ist, wird viel stärker durch das Model und durch das Potenzial des Betrachters bestimmt als durch meine Nachbearbeitung. Die Beleuchtung spielt dabei außerdem eine viel größere Rolle als die Nachbearbeitung. Dem habe ich allerdings schon einen eigenen Artikel gewidmet.

Die App Check Mate wird bald herunterladbar sein und könnte also zeigen, ob ein Foto beispielsweise durch Instagram-Filter und Photoshop bearbeitet wurde. Ich hoffe, deutlich gemacht zu haben, dass es dabei erhebliche Unterschiede geben kann und dass das Wort "bearbeiten" ein sehr weiter Begriff ist. Bearbeitet ist nicht gleich fake. Ich bin daher gespannt, welche Einblicke die App genau bieten wird.

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