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Meinung

Orthorexia Nervosa oder Haferflocken-Tussi?

| · 5 Min. Lesezeit

Vorgestern erschien in der Volkskrant ein Artikel über eine neue Art von Essstörung, an der viele Fitgirls möglicherweise leiden sollen: Orthorexia Nervosa. Wir erkennen darin jedoch einen ganz bestimmten Fitgirl-Typ: "die Haferflocken-Tussi".

Die vielen Gesichter des Fitgirls

Ich würde fast sagen wollen: "A fitgirl has no name". Vielleicht weil es einfach zu lange dauert, bis die nächste Game Of Thrones Staffel kommt. Vor allem aber, weil ich glaube, dass "das Fitgirl" nicht mit einem einzigen Namen beschrieben werden kann. A fitgirl has many names.

Da gibt es zum Beispiel die Run Chicks und die Squat Babes. Eine Entwicklung des letzten Jahrzehnts ist, dass immer mehr Run Chicks den Wechsel zu den Squat Babes machen (was einfach besser klingt als hip thrust girls). Diese Damen können untereinander ein sehr unterschiedliches Idealbild haben. Die Running Girl hat oft Angst, zum Mann zu werden, sobald sie Gewichte nur ansieht. Die Squat Babe versteht, dass man seinen Körper nicht nur formt, indem man etwas davon entfernt.

Groß ist auch der Unterschied zwischen zum Beispiel den Bikini Beauty Queens einerseits und der Cross-chick andererseits. Die Bikini Beauty Queens sind Frauen, die auf Instagram gerne zeigen, wie hart sie trainieren, mit Videos aus dem Fitnessstudio, um anschließend im Bikini und auf High Heels das Ergebnis bei einem (Bikini-)Fitnesswettkampf zu präsentieren. Die Cross-chick würde schweißgebadet aufwachen bei der Vorstellung, in High Heels und Bikini auf einer Bühne zu stehen. Die Cross-chick zeigt das Ergebnis am liebsten bei einem Wettkampf, bei dem ihr Aussehen keine Rolle spielt. Die einzigen Fotos, die die Cross-chick auf Instagram postet, sind von Personal Records beim Skipping und von aufgerissenen Hornhautstellen als Beweis für ein gutes Training.

So lassen sich noch mehrere Typen von Fit Girls benennen. Was den Artikel in der Volkskrant betrifft, habe ich mich jedoch vor allem ein wenig daran gestört, dass der Autor offenbar den Unterschied zwischen der "IIFYM-Puzzlerin" und der "Haferflocken-Tussi" nicht kennt.

IIFYM-Puzzlerin

Als Fit Girl kannst du mehrere der oben genannten Typen zugleich sein. Die eine Unterscheidung sagt nämlich vor allem etwas darüber aus, was du erreichen willst, die andere darüber, wie du es erreichen willst. Die typische Squat Babe möchte zum Beispiel etwas weniger Fett am Bauch und mehr Muskelmasse an Po, Beinen und Armen als die Run Chick. Viele Squat Babes sind auch Bikini Beauty Queens, weil sie oft dasselbe Idealbild teilen, einen ähnlichen Trainingsansatz haben und vor allem das visuelle Ergebnis gerne zeigen. Im Gegensatz dazu präsentiert die Run Chick lieber bessere Zeiten beim Halbmarathon oder die Cross Chick immer größere Traktorreifen, die sie umkippen kann.

Wenn es um Ernährung geht, weiß die Squat Babe/Bikini Beauty oft am besten, wie die Idealfigur am effektivsten erreicht werden kann. Schließlich macht sie keinen Hehl daraus, dass das Aussehen das wichtigste Ziel ist. Außerdem nutzt sie das Wissen von Hunderten Athleten, die daraus in den vergangenen Jahrzehnten einen Sport gemacht haben.

Die modernen Squat Babes und Bikini Beauty's verstehen, dass es zunächst wichtig ist, die richtigen Mengen an Kohlenhydraten, Fetten und Protein aufzunehmen. Keine Nahrungsquelle ist nach dieser Methode von Natur aus schlecht oder gut, alles ist auf deinen Bedarf bezogen, den du sorgfältig anhand von Formeln berechnet hast. Erst wenn das stimmt, kannst du schauen, ob du diese Nährstoffe aus besseren Quellen beziehen kannst. Du betrachtest deine Diät und Ernährung wie ein Puzzle. "Passt es oder passt es nicht". Inzwischen bekannt als die If It Fits Your Macros-Methode (IIFYM). Anders als der Artikel in der Volkskrant behauptet, gibt es also sehr wohl große Zahlen von Fitgirls, die Kalorien als Teil ihres IIFYM-Prinzips zählen.

Dem gegenüber steht der Fitgirl-Typ, der nicht von seinem eigenen Bedarf ausgeht, sondern von den (vermeintlichen) Eigenschaften verschiedener Nahrungsquellen. Es geht nicht darum, ob etwas in deine Ernährung passt, sondern ob das Produkt selbst "gut oder schlecht" ist. Zucker ist ein schönes Beispiel in dieser Diskussion.

"Orthorexia Nervosa"

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Der Artikel in der Volkskrant verweist auf den Begriff, den der amerikanische Arzt Steven Bratman für eine bestimmte Art von Essstörung geprägt hat: Orthorexia Nervosa. Ich zitiere die Volkskrant:

Orthorektiker essen im Gegensatz zu Anorektikern sehr wohl, schließen aber bestimmte Lebensmittelgruppen immer stärker aus, oft bis ins Extreme.

Obwohl dies tatsächlich vorkommt, erkenne ich diese Gefahr also vor allem bei einem bestimmten Fitgirl-Typ.

Haferflocken-Tussis

Es gab allerdings bereits einen Namen für Frauen, die bestimmte Lebensmittel meiden wie die Pest, während anderen beinahe magische Kräfte zugeschrieben werden. Die Frauen, aus deren Insta-Account ein Duft von Leinsamen und Weizengras zu kommen scheint. Die sogenannten "Haferflocken-Tussis".

Ein Typ, der meiner Erfahrung nach viel häufiger bei der Run-chick vorkommt als bei der Squat Girl und den Bikini Queens. Auch unter Cross Chicks kommt so eine Ernährung aus magischen Lebensmitteln oft vor, dort nennt man sie dann allerdings "Zone-Diät".

Zugegeben: Ich fand den Begriff "Haferflocken-Tussis" ziemlich abwertend, als ich ihn zum ersten Mal hörte. Allerdings kam er auch aus dem Mund einer Squat Babe. Außerdem fand ich ihn schon besser als "Brinta Bitch", nicht zuletzt, weil das mein Standardfrühstück ist.

Mehr oder weniger Fitgirls?

Ich denke, dass im Artikel in der Volkskrant alle Fitgirls über einen Kamm geschoren werden.

Das Fitgirl gibt es nicht.

Das heißt nicht, dass die anderen Fitgirl-Typen kein Risiko für eine Essstörung haben. Wir haben darüber kürzlich noch einen Artikel geschrieben, in dem wir auch kritisch unsere eigene Rolle als Blogger, Coach und (in meinem Fall) Fitnessfotograf betrachten. Das Risiko besteht, ist aber von mehreren Faktoren abhängig.

Wenn du also ein neues Label vergeben willst, schau dir genau an, wem du es aufklebst.

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