Das Tragen eines Zahnschutzes, kurz Mundschutz, hat keinen negativen Einfluss auf sportliche Leistungen. Das zeigt eine Studie, die demnächst im Journal of Strength and Conditioning Research veröffentlicht wird [1].
Mundschutz ist Pflicht
Im vergangenen Jahr entstand erneut die Diskussion darüber, das Tragen von Zahnschutz, bekannt als „Mundschutz“, beim Hockey verpflichtend zu machen. Anlass war der buchstäbliche Schlag ins Gesicht, den Nationalspieler Seve van Ass mit einem Hockeyschläger abbekam.
Das Ergebnis: zehn gebrochene Zähne und ein gebrochener Kiefer.
Ein weiteres Ergebnis war die Einrichtung der Taskforce „Prävention von Zahnverletzungen“, die dies untersuchen sollte [2]. Eine Mehrheit von 85,2 % trug bereits einen Zahnschutz. Ein anderes Ergebnis war, dass eine deutliche Mehrheit fand, das Tragen eines Mundschutzes müsse verpflichtend werden.
Am 22. September wurde daher angekündigt, dass ab dem 15. Juli 2015 das Tragen eines Mundschutzes bei Hockeyspielen in allen Kategorien Pflicht ist.
Warum keinen Mundschutz?
Man kann sich natürlich fragen, warum eine Minderheit sich dafür entschied, keinen Mundschutz zu tragen. Offenbar gibt es also eine kleine Minderheit von Sportlern, die sich erst zehn Zähne und einen Kiefer brechen muss, bevor eingesehen wird, dass es doch sinnvoll ist, so ein Ding zu tragen.
Dafür wird oft angeführt, dass die Kommunikation durch so einen Mundschutz schwieriger wird. Eine weitere Beschwerde ist, dass das Atmen schwerer fällt. Aus diesem letzten Grund haben verschiedene Hersteller luftdurchlässige Mundschützer entwickelt. Die Forscher wollten untersuchen, inwieweit diese die Atmung einschränken und sportliche Leistungen negativ beeinflussen.
Warum ist Hockey für Fitsociety interessant?
Bevor ich auf diese Studie eingehe, will ich kurz erklären, warum ich das als zugezogener Randstad-Bewohner eigentlich interessant finde. „Dieses elitäre, hochnäsige Hockey hat doch nichts mit dem superharten Alles-dreht-sich-um-Kraft-und-Muskelmasse zu tun“?
Stimmt.
Das Interesse hat nichts mit den Frauen zu tun, die im kurzen Rock nach vorn gebeugt über das Feld laufen, sondern alles mit der Tatsache, dass Mundschützer auch im Kampfsport häufig verwendet werden. Dort liegt mein Macho-Alpha-Mann-Interesse dann wieder sehr wohl, als Kobujutsu-Lehrer und ehemaliger Karateka, Iaidoka, Judoka und Aikidoka.
Außerdem weiß man nie, aus welcher Richtung relevantes Wissen kommt. In dieser Hinsicht fand ich diese Studie dann doch erwähnenswert.
Kein negativer Einfluss durch Mundschutz
Forscher der Elon University (North Carolina) verglichen den Einfluss des Nichttragens eines Mundschutzes (Kontrollgruppe) mit dem Tragen eines Standard-„Boil-and-bite“-Mundschutzes und mit dem Tragen eines luftdurchlässigen Mundschutzes (Nike Adult Intake Convertible Mouthguard).
Es ist nicht die erste Studie, die sich damit beschäftigt hat. Frühere Forschung aus dem Jahr 2005 zeigte, dass ein standardmäßiger, nicht luftdurchlässiger Mundschutz die Atmung tatsächlich einschränkt [3]. Neuere Forschung, bei der maßgefertigte Mundschützer verwendet wurden, zeigte dagegen eine verbesserte Sauerstoffaufnahme [4]. Dabei ging es noch nicht einmal um die luftdurchlässigen Mundschützer, die erst kürzlich auf den Markt gekommen sind. Deshalb sahen die Forscher aus North Carolina einen Grund, auch diese zu untersuchen. Sie würden also die Effekte vergleichen von:
- A) keinem Mundschutz („Control“)
- B) einem Standard-Boil-and-bite-Mundschutz („TradMG“)
- C) einem luftdurchlässigen Boil-and-bite-Mundschutz („VentMG“).
Fünfzehn Männer kamen viermal ins Labor. Beim ersten Mal erhielten sie eine Erklärung zur Studie und die zwei Mundschützer wurden angepasst (das heißt gekocht und zur Formgebung eingesetzt). Die anderen drei Male wurde die eigentliche Untersuchung unter jeweils einer dieser drei Bedingungen durchgeführt.
Bringen Sie mehr Struktur in Ihr Fitnessunternehmen
Planung, Mitgliederverwaltung und Coaching in einer Plattform
Für Coaches, Studios und Fitnessstudios
Weniger einzelne Tools, mehr Überblick
Aufbau der Beweglichkeitstests:
Einer der getesteten Punkte war die (explosive) Wendigkeit. Dafür mussten die Männer fünf Tests absolvieren, darunter: 40-Meter-Sprint, Hochsprung, Weitsprung, Seitwärtssprung, den sogenannten „3 cone drill“, bei dem eine Strecke von Kegel zu Kegel gesprintet wird, und den „shuttle run“ (auch als „Piep-Test“ bekannt).
Dabei wurden die Leistungen unter den drei verschiedenen Bedingungen verglichen.
Aufbau des „maximal exercise test“
Danach absolvierten sie eine halbe Stunde später einen sogenannten „maximal exercise test“. Dafür fuhren sie auf einem Fahrrad, bei dem der Widerstand alle fünf Minuten erhöht wurde.
Dabei wurden Sauerstoffaufnahme und Herzfrequenz unter den drei verschiedenen Bedingungen verglichen. Zur Hälfte wurden sie gefragt, wie müde sie sich fühlten, um auch die subjektiv empfundene Ermüdung vergleichen zu können. Schließlich wurde in der letzten Minute auch die Menge an Milchsäure im Blut miteinander verglichen.
Ergebnisse des maximal exercise test:
- Empfundene Ermüdung während des maximal exercise test: Der traditionelle Mundschutz sorgte gefühlt für mehr Ermüdung, dieser Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant und konnte daher zufällig entstanden sein. Beim luftdurchlässigen Mundschutz gab es überhaupt keinen Unterschied im Vergleich zum Tragen keines Mundschutzes.
- Bei Herzfrequenz, Sauerstoffaufnahme und Sauerstoffmenge im Blut gab es untereinander keine Unterschiede.
- Der luftdurchlässige Mundschutz sorgte bei hoher Belastung für weniger Milchsäure im Vergleich zur Kontrollgruppe und zum traditionellen Mundschutz.
Ergebnisse der Wendigkeitstests:
Rechts siehst du die Ergebnisse der Wendigkeitstests. Bei keinem der untersuchten Punkte gab es statistisch signifikante Unterschiede, mit Ausnahme des Hochsprungs. Dieser gelang mit dem luftdurchlässigen Mundschutz signifikant besser.
Mental sorgten die Mundschützer, sowohl der luftdurchlässige als auch der traditionelle, jedoch dafür, dass die Teilnehmer das Gefühl hatten, schlechter atmen und kommunizieren zu können. Zwischen den Mundschützern gab es dabei keinen Unterschied.
Fazit zum Einfluss des Mundschutzes auf aerobe Fähigkeiten
Geht es also um die aeroben Fähigkeiten, also darum, wie dein Körper bei Belastungen mit Sauerstoff umgeht, dann hat das Tragen eines Mundschutzes keinen negativen Effekt. Das Tragen eines luftdurchlässigen Mundschutzes kann sogar vorteilhaft sein. Letzteres zeigte sich nämlich beim Hochsprung.
Diese Ergebnisse bestätigen, dass TradMG (traditioneller Mundschutz, Anm. d. Red.) keinen negativen Einfluss auf die physiologische Funktion während sportlicher Belastung und körperlicher Agilität hat; VentMG (luftdurchlässiger Mundschutz, Anm. d. Red.) kann jedoch bei höherer Belastung und beim vertikalen Sprung einen positiven Einfluss haben.
S. Bailey, Elon University
Die kleine Minderheit, die jetzt keinen Mundschutz tragen möchte, dazu aber bald verpflichtet ist, kann also aufatmen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Referenzen
- Bailey, Stephen P.; Willauer, Thomas; Balilionis, Gytis; Wilson, Laura; Salley, John; Bailey, Elizabeth; Strickland, Tony L.E FFECTS OF AN OVER THE COUNTER VENTED MOUTHGUARD ON CARDIORESPIRATORY RESPONSES TO EXERCISE AND PHYSICAL AGILITY.Journal of Strength & Conditioning Research:Post Acceptance: September 26, 2014
- Hockey.nl/artikelen/breedtesport/taskforce-preventie-tandletsel-start-onderzoek/
- Delaney, JS, and Montgomery, DL. Effect of noncustom bimolar mouthguards on peak ventilation in ice hockey players. Clin. J. Sport Med. 15: 154-157, 2005.
- Garner, DP, Dudgeon, WD, Scheett, TP, and McDivitt, EJ. The effects of mouthpiece use on gas exchange parameters during steady-state exercise in college-aged men and women. J. Am. Dent. Assoc. 142: 1041-1047, 2011.
Neugierig, wie FITsociety zu Ihrem Unternehmen passt?
Sehen Sie, wie Intake, Training, Zahlungen und Kommunikation zusammenkommen.
Starten Sie kostenlos und prüfen Sie den Workflow in Ruhe.