"Männliche Sportler vermasseln es unter Druck häufiger als Frauen"
Männliche Athleten brechen unter dem Druck wichtiger Momente schneller ein als weibliche Athleten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie aus Israel.
"Choke under pressure"
In ihrer Studie namens "Choking Under Pressure and Gender" untersuchten Forscher der Ben-Gurion University of the Negev (BGU) in Israel, wie männliche und weibliche Tennisspieler unter Druck während wichtiger Momente bei einem Grand-Slam-Turnier leisteten [1]. "Ein einzigartiges Setting, in dem zwei Profisportler um eine hohe finanzielle Belohnung kämpfen". Sie wollten vergleichen, wie Männer und Frauen in vergleichbaren Situationen mit sportlichem Druck umgehen.
Sie betrachteten die Daten aller ersten Sätze aller vier Grand-Slam-Turniere aus dem Jahr 2010. Insgesamt untersuchten sie die Leistungen von 4127 Spielen zwischen Frauen und 4153 Spielen zwischen Männern. Dabei prüften sie, ob und in welchem Maß schlechter gespielt wurde, je wichtiger die Momente wurden und je stärker der Druck zunahm.
Our research showed that men consistently choke under competitive pressure, but with regard to women the results are mixed.
So Dr. Mosi Rosenboim von der BGU. "Selbst wenn Frauen in entscheidenden Momenten etwas schlechter leisteten als normal, zeigte sich, dass der Unterschied zu normalen Leistungen immer noch 50% kleiner war als bei den Männern".
Auch auf den Arbeitsplatz anwendbar?
Mir fiel auf, dass Rosenboim am 'department of management' arbeitet. Also kein Sportwissenschaftler. Anschließend kommt ein Ökonom zu Wort. Das erklärte sich jedoch schnell. Obwohl die Forscher hier Athleten betrachteten, wollen sie ihre Befunde vor allem auf den Arbeitsmarkt anwenden.
The purpose of this study is to shed additional light on how men and women respond to competitive pressure and use its conclusions to better understand the labor market
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Danny Cohen-Zada, BGU Department of Economics
Ein wichtiges Ergebnis ist ihnen zufolge, dass Männer in vergleichbaren Funktionen nicht mehr verdienen, weil sie unter Druck besser leisten.
Sie warnen allerdings, dass ihre Schlussfolgerungen nicht eins zu eins auf den Arbeitsmarkt übertragen werden können. Unter anderem, weil Frauen in den Matches nur gegen Frauen konkurrieren und nicht gegen Männer wie auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem sind professionelle Tennisspieler möglicherweise nicht repräsentativ für den durchschnittlichen Arbeitnehmer.
Cortisol als Übeltäter
Eine mögliche Ursache liegt den Forschern zufolge darin, dass das Stresshormon Cortisol bei Männern schneller steigt als bei Frauen. Andere Untersuchungen haben gezeigt, dass zum Beispiel der zweite Aufschlag im Tennis bei höheren Cortisolwerten schlechter ausgeführt wird.
Ich selbst denke bei der Studie vor allem an entscheidende Elfmeter bei der Fußball-WM, die 30 Meter über oder neben das Tor geschossen werden. Sollte die Niederlande irgendwann wieder bei einer EM oder WM mitmachen dürfen, wäre Meditationstraining also keine schlechte Idee.
Referenzen:
- Danny Cohen-Zada, Alex Krumer, Mosi Rosenboim, Offer Moshe Shapir. Choking Under Pressure and Gender. Working Paper submitted to Research Gate, 2016
- https://www.researchgate.net/publication/308901292_Choking_Under_Pressure_and_Gender
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