Spanische Forscher haben einen positiven Zusammenhang zwischen Kaffeetrinken und einem geringeren Sterberisiko gefunden.
Länger leben mit Kaffee
Ich werde nicht sofort ein Feuerwerk zünden, aber als Koffein-Fan freue ich mich schon über solche Nachrichten. Vor allem, wenn man sie in einem Jahr dreimal hört.
Forscher der Universität Navarra nutzten Daten einer spanischen Kohortenstudie, an der mehr als 22.500 Akademiker teilnahmen (SUN-Projekt). Für die "Kaffee-Studie" wurden daraus fast 20.000 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 37 Jahren ausgewählt. Diese Teilnehmer wurden anschließend 10 Jahre lang beobachtet. Die Ernährung war zu Beginn in Fragebögen erfasst worden. Die Forscher untersuchten anschließend, inwieweit der Kaffeekonsum zu Beginn der Studie das Sterberisiko beeinflusste.
In diesen 10 Jahren starben 227 der Teilnehmer. Teilnehmer, die mindestens vier Tassen Kaffee pro Tag tranken, hatten ein 64 Prozent geringeres Sterberisiko, gleich durch welche Ursache, als Menschen, die überhaupt keinen Kaffee tranken. Für jede zusätzlichen 2 Tassen pro Tag sank das Sterberisiko um 22 Prozent.
Die Forscher schauten auch, ob Geschlecht, Alter und das Befolgen oder Nichtbefolgen der sogenannten mediterranen Ernährung Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum zu Beginn und Sterberisiko hatten. Dieser Zusammenhang schien unter anderem vom Alter abhängig zu sein. Bei Menschen älter als 45 Jahre sank das Sterberisiko um 30% für jede zusätzlichen 2 Tassen Kaffee pro Tag. Bei jüngeren Teilnehmern gab es jedoch keinen signifikanten Unterschied. Sehr seltsam erscheint mir Letzteres nicht. Einflüsse der Ernährung auf die Gesundheit haben oft einen aufbauenden Effekt über die Zeit. In dieser Studie wurden alle Todesursachen einbezogen. Bei jüngeren Menschen kann man sich vorstellen, dass eher besondere Todesursachen eine Rolle spielen. Der Einfluss der Ernährung im Allgemeinen und speziell von Kaffee wird dann kleiner sein.
Im SUN-Projekt fanden wir einen umgekehrten Zusammenhang zwischen Kaffeetrinken und dem Risiko der Gesamtsterblichkeit, besonders bei Menschen ab 45 Jahren. Das kann auf einen stärkeren schützenden Zusammenhang bei älteren Teilnehmern zurückzuführen sein.
Unsere Ergebnisse legen nahe, dass das Trinken von vier Tassen Kaffee pro Tag Teil einer gesunden Ernährung bei gesunden Menschen sein kann.
- Dr Navarro, Hospital de Navarra, Pamplona, Spain
Jahr der Kaffeeforschung
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Es ist nicht die erste Studie zu Kaffeeaufnahme und Lebenserwartung. In diesem Jahr wurden dieselben Ergebnisse in zwei anderen Kohortenstudien gefunden.
Amerikanische Forscher interessierten sich vor allem für die Effekte von Kaffeekonsum in nicht weißen Bevölkerungsgruppen [2]. Dafür nutzten sie Daten aus der MEC-Studie (Multiethnic Cohort). Daraus wählten sie die Daten von 185 855 schwarzen Amerikanern, Hawaiianern, japanischstämmigen Amerikanern, Latinos und Weißen im Alter von 45 bis 74 Jahren aus. Also eine große, vielfältige Population.
Im Follow-up starben 58 397 Teilnehmer über insgesamt mehr als 3 Millionen gemessene Personenjahre. Kaffeekonsum wurde mit einem geringeren Sterberisiko in Verbindung gebracht, nachdem für Risikofaktoren wie Rauchen korrigiert wurde. Verglichen mit Menschen, die keinen Kaffee tranken, lag die Ratio für das Sterberisiko bei 1 Tasse pro Tag bei 0,88. Bei 2 bis 3 Tassen, aber auch bei mehr als vier Tassen Kaffee pro Tag lag diese Ratio bei 0,82. Auch hier sehen wir also den positiven Einfluss, oder eigentlich den negativen Zusammenhang mit Sterblichkeit, von Kaffee, wobei zwei bis vier Tassen Kaffee pro Tag einen größeren Vorteil bringen könnten als eine Tasse Kaffee. Es scheint ein gutes Jahr für Kaffee zu sein. Ebenfalls in diesem Jahr wurden die Ergebnisse einer großen multinationalen europäischen Studie zum Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Sterberisiko bekannt [3]. Forscher verschiedener europäischer Institute nutzten Daten aus der EPIC-Kohortenstudie. Die Daten von 521.330 Menschen aus 10 europäischen Ländern wurden in der Studie verwendet. Während des durchschnittlichen Follow-ups von 16,4 Jahren starben 41.693 der ausgewählten Menschen. Verglichen mit Menschen, die keinen Kaffee tranken, hatten starke Kaffeetrinker ein signifikant geringeres Sterberisiko (Ratio Männer 0,88, Frauen 0,92).
Zusammenhang, Ursache und Wirkung
Auch hier muss jedoch wieder betont werden, dass ein Zusammenhang nicht automatisch bedeutet, dass hier Kausalität vorliegt. Es ist möglich, dass Kaffee nicht die Ursache dieses geringeren Sterberisikos ist. Zum Beispiel, weil die Gewohnheit, Kaffee zu trinken, von Menschen geteilt wird, die auch andere Gewohnheiten teilen, die die eigentliche Ursache sind. Stell dir zum Beispiel vor, dass Kaffeetrinker aus irgendeinem Grund weniger rauchen als Nicht-Kaffeetrinker, was in der Praxis nicht naheliegt.
Obwohl Forscher in solchen Studien versuchen, für diese bekannten Risikofaktoren zu korrigieren, lässt sich nicht ausschließen, dass Kaffee zwar mit einem geringeren Sterberisiko verbunden ist, aber nicht die Ursache ist.
Wichtig ist auch anzumerken, dass der Kaffeekonsum in den Studien nur einmal festgestellt wurde und sich während des Follow-ups also möglicherweise verändert hat.
Wir können jedenfalls festhalten, dass es keinen Anlass gibt anzunehmen, dass Kaffeetrinken eine ungesunde Gewohnheit ist. Kaffee fördert deine Lebenserwartung, oder Kaffeetrinker scheinen gesündere Gewohnheiten zu haben. Beides klingt als Kaffeetrinker prima. Nachdem wir bereits ausführlich auf die positiven Effekte von Kaffee für Fitnessfans eingegangen sind, scheint nur noch der Zahnarzt über dieses schwarze Göttergetränk klagen zu können.
Referenzen
- escardio.org/The-ESC/Press-Office/Press-releases/higher-coffee-consumption-associated-with-lower-risk-of-death
- Park SY, Freedman ND, Haiman CA, et al. Association of coffee consumption with total and cause-specific mortality among nonwhite populations [published online July 11, 2017]. Ann Intern Med. doi:10.7326/M16-2472. http://annals.org/aim/article/2643433/association-coffee-consumption-total-cause-specific-mortality-among-nonwhite-populations
- Gunter MJ, Murphy N, Cross AJ, et al. Coffee drinking and mortality in 10 European countries: a multinational cohort study [published online July 11, 2017]. Ann Intern Med. doi:10.7326/M16-2945. http://annals.org/aim/article/2643435/coffee-drinking-mortality-10-european-countries-multinational-cohort-study
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