Studie: Schnelles Essen erhöht das Risiko für Übergewicht
Menschen, die schnell essen, haben eine größere Chance, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln. Dabei geht es um verschiedene Faktoren, die zur Entstehung von Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Schlaganfällen beitragen. Faktoren wie Übergewicht, mehr Bauchfett und ein größerer Taillenumfang.
Schnell essen und schlingen
Als ich 18 war, verbrachte ich einen Sommer bei einem Freund meines Vaters in Nigeria. Bei den ersten gemeinsamen Mahlzeiten merkte er regelmäßig an, dass ich ein schrecklich langsamer Esser sei. Ich hingegen fand, dass er sein Essen wirklich hinunterschlang, als hinge sein Leben davon ab. Kein völlig abwegiger Vergleich. Der pensionierte Armeekapitän hatte diese Gewohnheit aus seiner Dienstzeit behalten. Dort wurde Soldaten beigebracht, so schnell wie möglich zu essen. "In Kriegszeiten hast du keine Zeit, ruhig zu dinieren, und weißt nicht, wann du die nächste Mahlzeit erwarten kannst." Leider konnte die nigerianische Armeeführung damals noch nicht wissen, dass diese Gewohnheit offenbar nicht förderlich für die Gesundheit der Truppen ist.
Menschen, die langsamer essen, haben laut ersten Ergebnissen einer Studie, die während der American Heart Association's Scientific Sessions 2017 präsentiert wird, eine geringere Chance auf Übergewicht und die Entwicklung eines metabolischen Syndroms [1].
Von metabolischem Syndrom spricht man, wenn jemand einen der Risikofaktoren hat, etwa viel Bauchfett, hohen Blutzucker, hohen Blutdruck, erhöhte Triglyceride und/oder erhöhtes HDL-Cholesterin. So wird es von Takayuki Yamaji von der Universität Hiroshima erklärt.
Yamaji und Kollegen untersuchten 642 Männer und 441 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 51,2 Jahren, die 2008 kein metabolisches Syndrom hatten. Sie teilten die Teilnehmenden in drei Gruppen ein, abhängig davon, wie diese ihre Essgeschwindigkeit einschätzten: schnell, normal oder langsam.
Nach fünf Jahren sahen sie, dass schnelle Esser eine um 11,6% höhere Chance hatten, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln, im Vergleich zu normalen Essern (6,5%) und langsamen Essern (2,3%). Schnelles Essen stand in Zusammenhang mit höherem Gewicht, höherem Blutzucker und größerem Taillenumfang.
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Laut den Forschern kann mehr Zeit für die Mahlzeit daher eine entscheidende Rolle dabei spielen, das Risiko für ein metabolisches Syndrom zu senken. Wenn Menschen schnell essen, sollen sie ein geringeres Sättigungsgefühl haben und schneller dazu neigen, zu viel zu essen. Schnelles Essen soll außerdem größere Schwankungen im Blutzucker verursachen, was zu Insulinresistenz führen kann, einem Vorboten von Typ-2-Diabetes.
Schnell essen oder Zen essen
Sollte ich mehr als 20 Jahre später also wieder einmal eine Diskussion darüber mit meinem nigerianischen Freund bekommen, kann ich bewusst quälend langsam essen, in der Hoffnung, dass er dieses Thema wieder anschneidet.
Trotzdem muss ich zugeben, dass ich selbst gelegentlich auch ordentlich schlingen kann. Mit einer Hand einen Artikel schreibend und mit der anderen Hand ab und zu etwas Essen in meinen Mund stopfend, das ich halb gekaut hinunterschlucke. Wenn wir in dieser Hinsicht von den Japanern lernen können, gilt das vielleicht auch für diese jahrhundertealte japanische Kunst, einer einzigen Aufgabe die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Denk an Zen-Künste wie japanische Kalligrafie, Blumenarrangements, Tee einschenken und manche Kampfkünste. Wenn ich in voller Konzentration ein Schwert ziehen und drei imaginäre Gegner in 1,5 Sekunden in Stücke hacken kann, dann sollte doch auch ein Mittagessen zu bezwingen sein. Es sieht vielleicht etwas seltsam aus, sich voller Ernst ehrfürchtig vor einem Nutella-Brötchen zu verbeugen wie vor einem Schwert, aber wenn es funktioniert, funktioniert es.
Referenzen
- newsroom.heart.org/news/gobbling-your-food-may-harm-your-waistline-and-heart?preview=6cef
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