Studie: Radfahren ist nicht schlecht für männliche Geschlechtsteile
Eine aktuelle Studie soll zeigen, dass du dir als Mann keine Sorgen um dein bestes Stück machen musst, wenn du oft auf dem Fahrrad sitzt. Das wäre also keine Ausrede mehr, das Fahrrad zu meiden.
"Dritter Hoden des Radfahrers"
Ich hasse Radfahren. Zehnmal lieber laufe ich dann eben etwas länger. Zu weit zum Laufen? Dann nehme ich mein Fahrrad mit 4 Zylindern und 600 ccm. Das hat wenigstens einen männerfreundlichen Sattel und ist etwas schneller. Es sind also nicht so sehr die zwei Räder, gegen die ich eine Abneigung habe, und auch nicht die Bewegung. Es ist vor allem dieser verdammte Sattel, den ich hasse. Dieser Sattel, der entworfen zu sein scheint, um Männer unfruchtbar zu machen. Besonders die sportlicheren Fahrräder scheinen von einem Sadomasochisten entworfen zu sein. Wenn du einen halbwegs bequemen Sattel willst, bist du vor allem bei Oma- und Damenrädern richtig.
Versteh mich nicht falsch, als Fitnesstrainer oder Coach würde ich wegen der geringen Belastung für die Gelenke eher Radfahren als Laufen empfehlen. Für mich persönlich wiegen diese Vorteile aber nicht gegen die hohe Belastung der Quelle meiner Männlichkeit auf.
Dieser 'Sattel-Hass' ist nicht ganz unbegründet. Neben dem klaren Signal des Unbehagens, das ich persönlich von meinem besten Stück bekomme, haben auch unabhängige Studien gezeigt, dass es einen negativen Zusammenhang zwischen Radfahren und erektiler Funktion, sexueller Funktion/Impotenz und Funktion der Harnwege gibt [3,4]. Es ist also nicht nur unbequem, sondern sogar ein mögliches Gesundheitsrisiko, obwohl die schweren Fälle vor allem bei Langstreckenfahrern aufzutreten scheinen. In dieser Gruppe war laut einer Studie aus dem Jahr 2005 Taubheit der Genitalien die am häufigsten genannte Beschwerde, direkt gefolgt von erektiler Dysfunktion [5]. Zu den seltener gemeldeten Beschwerden gehörte auffälligerweise auch Priapismus, eine lang anhaltende Erektion, die trotz fehlender sexueller Erregung nicht abklingt. Weitere seltenere Beschwerden waren unter anderem Thrombosen im Penis, Unfruchtbarkeit, Blut im Urin, Verdrehung des Samenstrangs und Entzündung der Prostata. Brrrrrr....
In Leidschendam schrieben Forscher 2005 einen Artikel über einen Radfahrer, der mit einer Knotenbildung im Perineum eingeliefert wurde [6]. Es stellte sich als (Pseudo-)Tumor heraus, der chirurgisch entfernt werden musste. Diese Knotenbildung kommt bei professionellen Radfahrern offenbar so häufig vor, dass dafür der Begriff 'dritter Hoden des Radfahrers' verwendet wurde [7].
Genug Material jedenfalls für die Medien, um reißerische Stücke über die Gefahren des Radfahrens zu veröffentlichen [8].
Radfahren doch nicht gefährlich für dein bestes Stück?
Andere Studien unter Freizeitradfahrern zeigten jedoch keinen Zusammenhang, wodurch der genaue Einfluss für weniger fanatische Radfahrer unklar bleibt [2].
Laut einer Studie, die kürzlich im The Journal of Urology® veröffentlicht wurde, erfahren sowohl Freizeitfahrer als auch intensive Radfahrer keine negativen Auswirkungen auf die sexuelle Funktion und die Funktion der Harnwege [1]. Die Studie soll sich vor allem durch ihren Umfang von früheren Untersuchungen unterscheiden.
Dies ist die bisher größte vergleichende Studie, die die Zusammenhänge zwischen Radfahren, Fahrrad- und Straßeneigenschaften sowie sexueller und urologischer Funktion mithilfe validierter Fragebögen untersucht.
Benjamin Breyer, Department of Urology, University of California-San Francisco.
Suchst du einen Coach oder Personal Trainer?
- Kostenloser Matching-Service
- Abgestimmt auf deine individuellen Bedürfnisse
- Erfahrene Coaches verfügbar
Die Forscher glauben, dass ihre Ergebnisse eine zusätzliche Ermutigung für Menschen sein können, mit dem Radfahren zu beginnen.
Wir glauben, dass die Ergebnisse für Radfahrer ermutigend sein werden. Radfahren bietet enorme kardiovaskuläre Vorteile und belastet die Gelenke wenig. Wir glauben, dass die gesundheitlichen Vorteile, die Radfahrer genießen, wenn sie sicher fahren, die Gesundheitsrisiken deutlich überwiegen.
Wie gesagt kamen frühere Studien zu anderen Schlussfolgerungen. Der anhaltende Druck auf das Perineum und Mikrotraumata beim Radfahren hätten laut diesen Studien schädliche Effekte. Nach Ansicht der Forscher der University of California-San Francisco hatten diese früheren Studien vor allem Einschränkungen in Umfang und Aufbau. So hätten Kontrollgruppen und validierte Messungen gefehlt.
In der Studie der University of California-San Francisco wurde mit drei Gruppen von Athleten gearbeitet: 2774 Radfahrer, 539 Schwimmer und 789 Läufer. Alle Teilnehmer füllten validierte Fragebögen aus, darunter das Sexual Health Inventory for Men (SHIM), den International Prostate Symptom Score (I-PSS) und den National Institutes of Health Chronic Prostatitis Symptom Index (NIH-CPSI). Außerdem wurden Fragen zu Harnwegsinfektionen, Sattelschmerzen und Taubheit der Genitalien gestellt.
Neben dem Vergleich zwischen Sportarten mit und ohne Druck auf das Perineum wurde auch auf verschiedene Bedingungen des Radfahrens geschaut. Dazu zählen die Zusammensetzung des Fahrrads selbst, die Intensität des Radfahrens und der Zustand der Straße, auf der gefahren wird. Dafür wurden die Radfahrer nach ihrem Fahrrad, dem Satteltyp, dem Winkel des Sattels, danach, wie oft sie schützende Polster in der Hose trugen, sowie danach gefragt, wie oft und wie lange sie auf den Pedalen standen.
Die Radfahrer wurden nach Intensität in Gruppen eingeteilt:
- Hohe Intensität: länger als zwei Jahre Radfahren, häufiger als dreimal pro Woche, durchschnittlich mehr als 40 km pro Tag
- Niedrige Intensität: erfüllt keines der oben genannten Kriterien
Studienergebnisse
Im Allgemeinen galt, dass die sexuelle Gesundheit und die Gesundheit der Harnwege bei Läufern, Schwimmern und Radfahrern vergleichbar waren. Auffälligerweise schnitten Radfahrer in der Gruppe mit 'hoher Intensität' bei der erektilen Funktion besser ab als die Fahrer in der Gruppe mit 'niedriger Intensität'. Weder der Zustand des Fahrrads noch der Zustand der Straße hatten Einfluss. Allerdings zeigte sich, dass ein Lenker, der niedriger eingestellt ist als der Sattel, die Wahrscheinlichkeit von Sattelschmerzen und Taubheit der Genitalien erhöht. Mehr als 20% der Zeit auf den Pedalen zu stehen, senkte die Taubheit der Genitalien.
Was die wichtigen Daten betrifft, also sexuelle Funktion und Zustand der Harnwege, scheint Radfahren laut dieser Studie also nicht besonders schädlich zu sein. Taubheit und Sattelschmerzen sind für mich jedoch schon Grund genug, lieber weiter zu laufen. Mehr Ausreden brauche ich nicht.
Referenzen:
- Mohannad A. Awad, Thomas W. Gaither, Gregory P. Murphy, Thanabhudee Chumnarnsongkhroh, Ian Metzler, Thomas Sanford, Siobhan Sutcliffe, Michael L. Eisenberg, Peter R. Carroll, E. Charles Osterberg, Benjamin N. Breyer. Cycling, and Male Sexual and Urinary Function: Results from a Large, Multinational, Cross-Sectional Study. The Journal of Urology, 2017;
- https://www.auajournals.org/doi/10.1016/j.juro.2017.10.017
- Baek S, Lee SY, Kim JM, Shin E, Kam S, Jung HC. Bicycle Riding: Impact on Lower Urinary Tract Symptoms and Erectile Function in Healthy Men. International Neurourology Journal. 2011;15(2):97-101. doi:10.5213/inj.2011.15.2.97.
- Nontraumatic injuries in amateur long distance bicyclists. Weiss BD Am J Sports Med. 1985 May-Jun; 13(3):187-92.
- Impotence and nerve entrapment in long distance amateur cyclists. Andersen KV, Bovim G Acta Neurol Scand. 1997 Apr; 95(4):233-40.
- The vicious cycling: bicycling related urogenital disorders. Leibovitch I, Mor Y Eur Urol. 2005 Mar; 47(3):277-86; discussion 286-7.
- Asselbergs CP, Loeff JW, de Jongh GJ, de Winter TC. [Perineal nodular induration]. Ned Tijdschr Geneeskd. 2009;153:A58. Dutch. PubMed PMID: 19818180.
- de Saint Aubain Somerhausen N, Geurde B, Couvreur Y. Perineal nodular induration: the 'third testicle of the cyclist', an under- recognized pseudotumour. Histopathology. 2003 Jun;42(6):615-6. PubMed PMID: 12786900.
- http://www.dailymail.co.uk/health/article-364433/Cycling-em-em-make-impotent.html
Personal Trainer? Entdecke die All-in-one-Trainings- und Ernährungssoftware!
Alles, was du brauchst, um dein Personal Training noch persönlicher zu machen und dein Business zu automatisieren.
Plane eine Demo und entdecke alle Möglichkeiten von FITsociety für dein Unternehmen.