Studie: Niedrige Schmerzgrenze durch Übergewicht
Niedrige Schmerzgrenze durch Übergewicht? Nein, eine zusätzliche Fettschicht schützt nicht vor Schmerz. Im Gegenteil: Menschen mit starkem Übergewicht sind gerade empfindlicher für Druckschmerz. Zumindest laut neuer Forschung aus England.
Niedrige Schmerzgrenze is no cushion for the pushin'!
Übergewicht kann durch den zusätzlichen Druck auf die Gelenke die nötigen schmerzhaften Beschwerden verursachen. Was bedeutet Übergewicht jedoch für die Schmerzgrenze selbst?
Forschende der Leeds Beckett University untersuchten die Unterschiede in der Schmerzreaktion zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen [1]. Die Ergebnisse könnten einen zusätzlichen Grund für Menschen mit Übergewicht und chronischen Schmerzen liefern, abzunehmen.
74 Freiwillige nahmen an der Studie teil und wurden anhand ihres BMI in Gruppen eingeteilt:
"Adipositas", "Übergewicht" und "Normal".
Die Freiwilligen erhielten Druck, Kälte und Hitze an zwei Stellen des Körpers. Zuerst an der Hand, an der Basis des Daumens. Eine Stelle mit wenig Körperfett. Danach maßen sie an der Taille, bei den Lovehandles. Die Freiwilligen wurden gefragt, ab welchem Moment Druck, Kälte oder Hitze sich erstmals schmerzhaft anfühlten.
Außerdem wurden sie gebeten, ihre Hand in Eiswasser zu stecken und anzugeben, wann dies schmerzhaft wurde.
In der "Adipositas"-Gruppe wurde Druck ab durchschnittlich 4,3 kg pro Quadratzentimeter als schmerzhaft erlebt. In der Gruppe mit normalem BMI wurde dieser erst ab 8,6 kg pro cm2 als schmerzhaft erlebt. Auffällig genug war dies in der Gruppe "Übergewicht" (die beim BMI also in der Mitte lag) erst bei 10 kg pro cm2. Ein wenig Übergewicht hätte also den größten positiven Zusammenhang mit einer hohen Schmerzgrenze?
Bei der Reaktion auf Kälte und Hitze gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen, aus denen hervorgehen würde, dass eine zusätzliche Fettschicht (gefühlt) keinen zusätzlichen Schutz vor extremer Temperatur bietet.
Menschen mit Adipositas erleben eher Schmerzen durch Faktoren wie die mechanische Belastung des höheren Gewichts auf die Gelenke als Menschen mit normalem BMI. Unsere Studie deutet jedoch darauf hin, dass Menschen mit Adipositas selbst in Körperbereichen, die kein Gewicht tragen, empfindlicher für Druckschmerz sind... Die übergewichtige Gruppe hatte die höchste Druckschmerzschwelle, was daran liegen könnte, dass in dieser Gruppe mehr Menschen körperlich aktiv waren, was ebenfalls beeinflussen kann, wie eine Person Schmerz empfindet,"
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Hohe Schmerzgrenze bei Übergewicht, niedrige Schmerzgrenze bei Adipositas?
Die mögliche Erklärung dafür, dass die Gruppe 'Übergewicht' die höchste Schmerzgrenze hatte, ist ihre körperliche Aktivität. Eine andere Erklärung wäre, dass eine niedrige Schmerzgrenze der Gruppe "Adipositas" dafür sorgt, dass sie Aktivität häufiger vermeiden. Das erklärt jedoch nicht, warum die Gruppe mit normalem BMI eine niedrigere Schmerzgrenze hatte als die Gruppe 'Übergewicht'.
Auch nicht, wenn du ein paar Beispiele einsetzt.
Nimm einen Mann von 1,83 m Körpergröße und einem Gewicht von 80 kg. Damit fällt er in die Gruppe 'normal'. Wenn er 10 Kilo zunimmt, fällt er in die Gruppe 'Übergewicht', und laut dieser Studie würde seine Schmerzgrenze steigen. Anschließend gerät er in eine Abwärtsspirale aus Schuld und Essanfällen und wird 10-15 Kilo schwerer. Die genaue Zahl ist nicht ganz klar, denn die Waage wurde inzwischen aus dem Fenster geworfen. Er ist in der Gruppe 'Adipositas' gelandet, und seine Schmerzgrenze, die vor ein paar Monaten noch am höchsten war, ist jetzt am niedrigsten.
Ich kann daraus nicht viel mehr machen als: "Ein bisschen Übergewicht ist o.k., aber übertreib es nicht".
Das klingt als Fitnessfan jedoch nicht so gut. Die andere Erklärung spricht mich also mehr an: "Lass dich von ein paar Schmerzen nicht von körperlicher Aktivität abhalten".
Die Forschenden wollen in Folgestudien mehr über die Unterschiede in individuellen Schmerzgrenzen erfahren. So möchten sie unter anderem untersuchen, welche Stoffe von Fettsäuren im Körper abgegeben werden und wie diese Schmerzrezeptoren beeinflussen könnten.
Referenzen
- O. A Tashani, R. Astita, D. Sharp, M. I Johnson. Body mass index and distribution of body fat can influence sensory detection and pain sensitivity. European Journal of Pain, 2017; DOI: 10.1002/ejp.1019
- Leeds Beckett University. "Obese people have lower pain threshold, new research shows." ScienceDaily. ScienceDaily, 27 March 2017.
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