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Forschung

Studie: Gehirn wichtiger als Muskeln

| · 4 Min. Lesezeit

Was deinen Körper betrifft, ist Denkvermögen wichtiger als Muskelkraft. Eine solche Schlussfolgerung könnte man zumindest aus einer neuen Studie der Cambridge University ziehen.

Gehirn vs. Muskeln

Die Studie, die diesen Monat in Scientific Reports veröffentlicht wurde, untersuchte die Prioritätensetzung des Körpers [1]. Wenn du intensiv trainierst und dich gleichzeitig auf eine mentale Aufgabe konzentrieren musst, wirst du in beiden Bereichen nicht optimal leisten. Aus der Studie geht auch hervor, dass die Leistung deiner Muskeln darunter stärker leiden wird als die Arbeit deines Gehirns.

Dass unser Körper offenbar dem Denkvermögen Priorität gibt, kann evolutionär gesehen einen guten Grund haben. Menschen haben nun einmal relativ große Gehirne und deren Nutzung hat uns an die Spitze der Nahrungskette gebracht. Diese Dinge verbrauchen allerdings Energie. Menschen, die zum ersten Mal ihren Kalorienbedarf berechnen, können oft überrascht sein, wie relativ klein der Einfluss von Aktivität auf den täglichen Verbrauch ist. Der größte Teil der Energie wird bereits verbraucht, während du nichts tust, weil die Erhaltung unseres Körpers einiges erfordert. 20% des Sauerstoffverbrauchs entfallen dabei auf das Gehirn, das im Durchschnitt nur 2% des Gewichts ausmacht. Von allen Brennstoffen in Form von Glukose werden 25% vom Gehirn verwendet. Es gibt kein anderes Organ, das pro Gramm so viel Energie verbraucht. So ein Gehirn muss seinen Wert dann auch jeden Tag beweisen, indem es genug Energie finden kann, um zu überleben.

Die Forscher von Cambridge fragten sich, inwieweit sich die Muskeln für das Gehirn opfern. Muskeln kosten schließlich ebenfalls viel Energie. Sie verwenden wie das Gehirn Glukose als primären Brennstoff. Das Gehirn kann jedoch relativ wenig Energie speichern, wie Muskeln dies in Form von Glykogen können. Nach der "Egoistischen Gehirn-Hypothese" kann das Gehirn deshalb bei Bedarf über Energie/Glukose verfügen, die eigentlich für andere Organe bestimmt war [2]. Genau wie die Muskeln verbraucht auch das Gehirn mehr Energie, wenn es intensiv genutzt wird. Was ist, wenn du beides tun musst?

Nicht nur interessant aus evolutionär-historischer Sicht, sondern auch, um zu wissen, inwieweit es sinnvoll oder gerade abzuraten ist, mentale und körperliche Aufgaben zu kombinieren.

Denkvermögen vs. Muskelkraft

Die Forscher hätten für einen Test gerne eine Gruppe Höhlenmenschen herangezogen. Mangels solcher Teilnehmer nutzten sie Ruderer an der Universität. .

Insgesamt 62 Ruderer wurden gebeten, das Labor dreimal unter drei verschiedenen Bedingungen zu besuchen.

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  1. Mentale Aufgabe: Drei Minuten lang so viele Wörter wie möglich auf einem großen Bildschirm auswendig lernen. Direkt nach dem Erlöschen des Bildschirms mussten möglichst viele dieser Wörter aufgeschrieben werden.
  2. Körperliche Aufgabe: Drei Minuten lang so intensiv wie möglich auf einer Rudermaschine rudern. Dabei wurde die Leistung gemessen.
  3. Kombination aus beidem

Weil beide Aufgaben gleichzeitig ausgeführt werden mussten, war die Ruderleistung 13% niedriger. Diese Abnahme war etwa 30% größer als die Abnahme in der Anzahl gemerkter Wörter. Die Erklärung für die Ergebnisse ist laut den Forschern, dass Muskeln und Gehirn um Brennstoff kämpften, in diesem Fall Glukose. Das Gehirn bekam dabei Vorrang.

Die Implikation wäre, dass "unser Denkvermögen wahrscheinlich einen größeren Vorteil bot als unsere Muskelkraft", so Dr. Longman. No shit, denke ich dann meinerseits. Die praktische Implikation ist, dass du eine Vorlesung über Quantenmechanik und Supersymmetrie wahrscheinlich nicht schneller verstehen wirst während einer Marathon-Session Burpees.

Wann Bewegung das Denkvermögen gerade verbessert.

Die Forscher geben zu, dass die Studie von kurzer Dauer ist und sie nicht direkt die Aufnahme von Glukose durch Muskeln und Gehirn untersucht haben. Es wäre interessant, vergleichbare Untersuchungen mit Unterschieden in der Intensität der körperlichen Aufgabe zu sehen.

Früher in diesem Jahr zeigte sich gerade, dass Cardio vor und während eines Sprachkurses die Ergebnisse verbesserte. Das körperliche Training würde die Plastizität des Gehirns vergrößern. Die abnehmende Plastizität ist einer der Gründe, warum die Lernfähigkeit mit zunehmendem Alter sinkt. Dieses Training muss jedoch nicht bei höchster Intensität stattfinden und auch nicht unbedingt während des Lernens. In der Studie, die Anlass für den Artikel war, wurde mit moderater Intensität 20 Minuten vor der Stunde bis zu einer Viertelstunde nach Beginn geradelt. Abgesehen davon, dass hier während des Lernens geradelt wurde, hatte man damit also schon früher begonnen.

Obwohl nicht ganz klar ist, was das perfekte Timing deiner Cardioeinheit im Verhältnis zu deiner Vorbereitung auf eine Prüfung ist, scheint die Kombination aus beidem kein Problem zu sein. Natürlich abhängig davon, wie hart du radelst.

Referenzen

  1. nature.com/articles/s41598-017-14186-2
  2. Peters, A. et al. The selfish brain: competition for energy resources. Neurosci Biobehav Rev. 28, 143–80 (2004).

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