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Forschung

Studie: "Diskriminierung aufgrund des Gewichts durch Ärzte führt zu Risiken in der Versorgung"

| · 4 Min. Lesezeit

"Sizeismus", Diskriminierung aufgrund des Gewichts. Eine Übersicht aktueller Studien zeigt, dass dies im medizinischen Bereich regelmäßig vorkommt und damit die Qualität der Versorgung gefährdet. 

Fat Shaming

Dass "Fat Shaming" mit dem Aufkommen sozialer Medien und der zunehmenden Zahl von Menschen mit Übergewicht immer häufiger wird, wird vermutlich nicht überraschen. Dass es einen negativen Effekt auf die körperliche und mentale Gesundheit haben kann, wahrscheinlich ebenso wenig. Dass Diskriminierung aufgrund des Gewichts die Qualität der Versorgung beeinflussen kann, war mir persönlich nicht bekannt.

Ich spreche dabei nicht von medizinischen Eingriffen, die aufgrund von Übergewicht nicht durchgeführt werden können. Das ist eine medizinische Einschätzung, dass das Übergewicht die Risiken für Komplikationen während des Eingriffs erhöhen würde und dieser dadurch unverantwortlich wäre. Hier geht es jedoch um Vorurteile von Ärzten und anderen medizinischen Fachkräften, die zu falschen Diagnosen und/oder falschen Dosierungen von Medikamenten führen. Ärzte würden regelmäßig automatisch Übergewicht als Ursache bestimmter Beschwerden benennen und dadurch nicht weiter nach anderen möglichen Ursachen suchen. Es kommt auch vor, dass Dosierungen für Menschen mit Übergewicht zu niedrig sind.

Das sind zumindest die Ergebnisse von Forschern der Washington University über Gesundheitsdienstleister in amerikanischen Krankenhäusern [1]. Dafür führten sie eine Übersicht aktueller Studien durch und präsentierten ihre Arbeit letzte Woche während der jährlichen Tagung der American Psychological Association. Sie machten diese Review, um einen Überblick über die verschiedenen Folgen von Fat Shaming im medizinischen Bereich zu erstellen

"Nehmen Sie erst einmal ab"

Aus einer der Studien, die sie in die Review aufnahmen, wurden 300 Autopsieberichte durchgesehen. Daraus ging hervor, dass Patienten mit Übergewicht 1,65-mal häufiger eine medizinische Erkrankung hatten, für die keine Diagnose gestellt worden war.

"Fett wird als Krankheit gesehen und Gewichtsverlust ist das Heilmittel". Das sei laut den Forschern der Washington University das medizinische Denkmuster. Gekoppelt an die Annahme, dass Gewicht innerhalb der Kontrolle des Patienten liegt und durch schlechte Essgewohnheiten verursacht wird. Mit dem Abnehmen zu beginnen, würde die Gesundheit verbessern.

Dies könnte dazu führen, dass die richtigen Tests nicht durchgeführt und falsche Diagnosen gestellt werden. Die Forscher nennen diese unterschiedlichen Behandlungen für Patienten mit denselben Beschwerden unethisch und eine Form medizinischen Fehlverhaltens. Aus ihren Ergebnissen geht hervor, dass Ärzte regelmäßig Gewichtsverlust empfehlen, statt einen CAT scan, Blutuntersuchung oder Physiotherapie vorzuschlagen.

Falsche Dosierung

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In vielen Studien zur Wirksamkeit, Sicherheit und richtigen Dosierung von Medikamenten werden Menschen mit Übergewicht als Probanden regelmäßig ausgeschlossen, weil sie nicht repräsentativ seien. Dadurch kommt es regelmäßig vor, dass Patienten mit Übergewicht eine zu niedrige Dosierung von Medikamenten verschrieben bekommen. Du kannst dir die Folgen in Fällen wie Antibiotika und Chemotherapie vorstellen.

In einer der Studien wurden Aufnahmen in der Notaufnahme und die Verabreichung einer ersten Antibiotikadosis betrachtet. 1.910 erste Dosierungen für drei verschiedene Antibiotika wurden mit den Richtlinien verglichen. In allen drei Fällen entsprach die Dosierung bei Menschen mit Übergewicht in weniger als 10 Prozent der Fälle den Richtlinien, in der Studie schwerer als 100 Kilo in Kombination mit einem BMI über 40.

"Doktor Bully"

Die Forscher warnen auch vor der abschreckenden Wirkung von "Medical Fat Shaming" auf Menschen mit Übergewicht. Das kann dazu führen, dass sie den Kontakt zu Gesundheitsdienstleistern bewusst vermeiden oder aufschieben, aus Angst, respektlos behandelt zu werden.

Dabei verweisen sie auf Studien, aus denen hervorgeht, dass auch die implizite Missbilligung durch Gesundheitsdienstleister für erheblichen Stress bei Patienten sorgen kann. Ein missbilligendes Nicken beim Notieren des Gewichts als "Form von Mikroaggression" zum Beispiel. Fat Shaming würde jedoch nicht als Motivation funktionieren. Den Studien zufolge schadet es vielmehr der mentalen und damit körperlichen Gesundheit.

Hin und her

Das Ironische ist, dass das Bild, das ich über diesem Artikel gewählt habe, in einem ziemlich anderslautenden Artikel gefunden wurde. Ein Artikel anlässlich einer Studie, aus der hervorgeht, dass Menschen mit Übergewicht ihr Gewicht oft nicht mit ihrer Gesundheit verknüpfen [2]. Eine Studie aus dem Jahr 2011, in der etwas mehr als die Hälfte der befragten adipösen Patienten nicht fand, dass das Gewicht ein Problem für die Gesundheit darstellte. Nur ein Drittel sei vom Arzt auf das Übergewicht und die möglichen Risiken hingewiesen worden. Das Übergewicht bekäme also gerade zu wenig Aufmerksamkeit.

Also zu viel Aufmerksamkeit für Übergewicht durch den Arzt oder gerade zu wenig? Ich denke möglicherweise die falsche Aufmerksamkeit zum falschen Zeitpunkt. Übergewicht zu besprechen ist natürlich völlig in Ordnung, wenn Übergewicht tatsächlich das Thema sein sollte.

Referenzen

  • apa.org/news/press/releases/2017/08/fat-shaming.aspx

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