FITsociety DE
Kostenlos testen
Forschung

Studie: Ausgeschalteter Geruchssinn führt zu niedrigerem Gewicht

| · 5 Min. Lesezeit

Der Geruchssinn könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, wie der Körper mit Nahrung umgeht. Das zeigt eine Studie, in der der Geruchssinn von Ratten ausgeschaltet oder gerade verstärkt wurde. Ein ausgeschalteter Geruchssinn führte zu einem niedrigeren Gewicht, obwohl gleich viel gegessen wurde. 

Geruchssinn als Teil des Stoffwechsels

Die Nase hat die Fähigkeit, Nahrung zu identifizieren und den Appetit anzuregen. Man würde also erwarten, dass Ratten weniger essen, wenn man ihren Geruchssinn ausschaltet, oder mehr essen, wenn man ihren Geruchssinn verstärkt. Forscher aus Berkeley taten beides. Die Mäuse ohne Geruchssinn nahmen ab, und die 'Superriecher' nahmen dagegen stärker an Gewicht zu. In beiden Fällen wurde jedoch gleich viel gegessen.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass der Geruchssinn eine wichtige Rolle dabei spielt, wie der Körper Nahrung verarbeitet. Eine Rolle, die er über eine Zusammenarbeit zwischen dem olfaktorischen System, also dem Geruchssinn, und dem Teil des Gehirns spielen würde, der den Stoffwechsel steuert, insbesondere dem Hypothalamus. Die genaue Wirkweise ist jedoch unbekannt.

Diese Arbeit ist eine der ersten Studien, die wirklich zeigt, dass wir, wenn wir olfaktorische Eingaben manipulieren, tatsächlich verändern können, wie das Gehirn die Energiebilanz wahrnimmt und wie das Gehirn die Energiebilanz reguliert.

Céline Riera, UC Berkeley & Cedars-Sinai Medical Center

Menschen, die ihren Geruchssinn durch eine Krankheit verlieren, etwa bei Parkinson, entwickeln manchmal Anorexie. Bis heute wurde dies jedoch oft durch die Depression erklärt, mit der die Krankheit einhergehen konnte. Aus dieser Studie geht nun hervor, dass der Geruchssinn eine direkte Rolle spielen kann und dass seine Beeinflussung eine Methode des Gewichtsmanagements sein könnte. Besonders, wenn man die genaue Verbindung versteht und sie nutzen kann, ohne den Geruchssinn tatsächlich auszuschalten.

Die Forscher weisen darauf hin, dass sowohl Mäuse als auch Menschen empfindlicher für Gerüche sind, wenn sie Hunger haben. Das Fehlen von Geruch könnte den Körper möglicherweise glauben lassen, dass bereits gegessen wurde und dass vorhandene Nahrung verbrannt werden darf, statt als Fett gespeichert zu werden.

Weniger Geruchssinn: weniger Fett und mehr Verbrennung

Die Forscher nutzten Gentherapie, um den Geruchssinn vorübergehend auszuschalten. Dafür zerstörten sie die olfaktorischen Neuronen in der Nase, ließen die Stammzellen aber intakt. Die olfaktorischen Neuronen begannen sich nach drei Wochen wieder zu erholen.

Die Mäuse mit vermindertem Geruchssinn verbrannten mehr Fett, indem sie das sympathische Nervensystem aktivierten, also gewissermaßen den 'Aktionsmodus' des Körpers. Sie verwandelten beige Fettzellen in braunes Fett, das mehr Fettsäuren verbrennt, um Wärme zu erzeugen. Die weißen Fettzellen, die wir wegen ihrer Speicherung von Fettsäuren weniger gern sehen, nahmen an Größe ab.

Suchst du einen Coach oder Personal Trainer?

  • Kostenloser Matching-Service
  • Abgestimmt auf deine individuellen Bedürfnisse
  • Erfahrene Coaches verfügbar
Suchst du einen Coach oder Personal Trainer?

Auch machte das Ausschalten bestimmte Schäden rückgängig, die durch früheres Übergewicht verursacht worden waren. Die Mäuse, die bereits Übergewicht hatten, bevor ihr Geruchssinn ausgeschaltet wurde, litten auch unter einer Glukoseintoleranz, die zu Diabetes führen kann. Mit dem Verlust des Geruchssinns verloren sie nicht nur Gewicht, trotz der fettreichen Ernährung, sondern bekamen auch eine normale Glukosetoleranz. Die Mäuse mit Übergewicht bekamen durch den ausgeschalteten Geruchssinn dasselbe Gewicht wie Mäuse mit normaler Ernährung, während Muskelmasse und Knochenmasse gleich blieben.

Weniger Geruchssinn, mehr Noradrenalin

Eine Kehrseite des verminderten Geruchssinns war ein anderer Effekt eines aktiven sympathischen Nervensystems: eine Erhöhung des Stresshormons Noradrenalin. Dies kann, wenn es langfristig erhöht ist, bei Menschen Herzinfarkte verursachen.

Vorläufig könnte es deshalb vor allem eine wertvolle Methode für Menschen mit morbider Adipositas sein, die sonst einen chirurgischen Eingriff benötigen würden. Die Risiken durch das starke Übergewicht würden die Risiken des erhöhten Noradrenalins deutlich überwiegen.

Für diese kleine Gruppe von Menschen könnte man ihren Geruch vielleicht für sechs Monate ausschalten und dann die olfaktorischen Neuronen wieder nachwachsen lassen, nachdem ihr Stoffwechselprogramm neu verdrahtet wurde

Mehr Geruchssinn = mehr Fett speichern

Die Forscher aus Berkeley arbeiteten anschließend mit deutschen Kollegen zusammen, die gerade Mäuse mit einem erhöhten Geruchssinn entwickelt hatten. Diese Mäuse nahmen bei normaler Ernährung stärker zu als normale Mäuse mit derselben Ernährung.

Es ist schade um das erhöhte Noradrenalin. Es wäre natürlich schön, wenn die Ergebnisse mehr Menschen helfen könnten als nur Menschen mit morbider Adipositas. Möglicherweise gibt es weniger einschneidende Methoden, die den Geruch nur verringern und nicht vollständig ausschalten. Vielleicht sind die Effekte dann sowohl positiv als auch negativ kleiner, bilden aber immer noch eine positive Bilanz. Wenn diese Mäuse ohne Geruchssinn mit einer fettreichen Ernährung abnehmen konnten, vielleicht können sie dann mit vermindertem Geruchssinn bei einer solchen Ernährung ihr Gewicht halten oder mit einer normalen Ernährung abnehmen. Es gibt offenbar noch genug zu untersuchen.

Also nicht allzu überrascht sein, wenn dein Fitnesstrainer oder Ernährungsberater dir demnächst eine Wäscheklammer für die Nase gibt.

Referenzen

  1. Celine E. Riera, Eva Tsaousidou, Jonathan Halloran, Patricia Follett, Oliver Hahn, Mafalda M.a. Pereira, Linda Engström Ruud, Jens Alber, Kevin Tharp, Courtney M. Anderson, Hella Brönneke, Brigitte Hampel, Carlos Daniel De Magalhaes Filho, Andreas Stahl, Jens C. Brüning, Andrew Dillin. The Sense of Smell Impacts Metabolic Health and Obesity. Cell Metabolism, 2017 DOI: 10.1016/j.cmet.2017.06.015

Personal Trainer? Entdecke die All-in-one-Trainings- und Ernährungssoftware!

Alles, was du brauchst, um dein Personal Training noch persönlicher zu machen und dein Business zu automatisieren.

Plane eine Demo und entdecke alle Möglichkeiten von FITsociety für dein Unternehmen.

Personal Trainer? Entdecke die All-in-one-Trainings- und Ernährungssoftware!

Kommentar schreiben

Ihr Kommentar wird geprüft, bevor er sichtbar wird.

Zurück zu Forschung