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"Sportbakterien" gefunden

| · 4 Min. Lesezeit

Leisten manche Athleten mehr, weil sie bestimmte Bakterien haben? Diese Frage versuchten Forschende aus Harvard zu beantworten, als sie nach diesen "Sportbakterien" suchten.

Sportliche Bakterien

Die Forschenden aus Harvard untersuchten die Mikrobiota, also die Darmbakterien, erfolgreicher Läufer und Ruderer. Ihr Ziel war es, bestimmte Bakterien zu identifizieren, die zu guten Leistungen beitragen könnten. Die Ergebnisse präsentieren sie auf der 24th National Meeting & Exposition of the American Chemical Society (ACS) [1]. Die von ihnen benannten Bakterien könnten es ermöglichen, Probiotika zu entwickeln, die Athleten und Fitnessfans schneller regenerieren lassen oder bei der Umwandlung von Nährstoffen in Energie helfen.

Als wir anfingen, darüber nachzudenken, wurde ich gefragt, ob wir Genomik nutzen könnten, um den nächsten Michael Jordan vorherzusagen. Meine Antwort war aber, dass die bessere Frage lautet: Kann man Jordans Biologie extrahieren und anderen geben, um den nächsten Michael Jordan zu machen?

Wir sind mehr Bakterien als Mensch. Die Organismen in unserem Darm beeinflussen unseren Energiestoffwechsel und erleichtern den Abbau von Kohlenhydraten, Protein und Ballaststoffen. Sie sind außerdem an Entzündungen und neurologischen Funktionen beteiligt. Vielleicht könnte das Mikrobiom also für Ausdauer, Regeneration und vielleicht sogar mentale Stärke relevant sein.

Jonathan Scheiman, Harvard Medical School.

Ich kann mir angenehmere Studien vorstellen, aber natürlich alles im Namen der Wissenschaft. Also machten sich die Forschenden daran, ihre Proben zu sammeln: den Stuhl von 20 Athleten, die für den Boston-Marathon 2015 trainierten. Die Proben wurden eine Woche vor und eine Woche nach dem Marathon gesammelt. Dafür fuhr Scheiman zwei Wochen lang durch Boston, um Stuhlproben einzusammeln und sie anschließend im Auto auf Trockeneis zu legen. So wollten sie sehen, welche Unterschiede es zwischen den Bakterien während Belastung und während Erholung gab.

Anschließend nutzten sie DNA sequencing ("Sequenzierung"), um die DNA der Bakterien zu analysieren. So wollten sie herausfinden, welche Typen und wie viele Bakterien in den Proben vorhanden waren. Danach wurden die Proben vor und nach dem Rennen verglichen, und die Forschenden fanden nach dem Marathon einen Peak in der Menge eines bestimmten Bakterientyps. Die natürliche Funktion dieses Bakteriums ist den Forschenden zufolge der Abbau von Milchsäure. Bei intensivem Training wird mehr Milchsäure gebildet als üblich. Das kann zu Muskelschmerzen und Müdigkeit führen. Das gefundene Bakterium könnte dabei helfen, darunter weniger zu leiden.

Das Harvard-Team hat das spezifische Bakterium isoliert und nun begonnen, seine Eigenschaften zu bewerten. Sie haben bereits festgestellt, dass das Bakterium Milchsäure im Reagenzglas sehr gut abbaut. Außerdem scheint es intakt zu bleiben, wenn es die Verdauung von Mäusen passiert hat. Derzeit verabreichen die Forschenden das Bakterium Mäusen, um anschließend den Effekt auf Milchsäure und Ermüdung zu messen.

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In einer weiteren Reihe von Experimenten vergleichen die Forschenden die Bakterien von Ultramarathonläufern mit den gefundenen Bakterien olympischer Ruderer. Sie fanden bei den Ultramarathonläufern einen Bakterientyp, der beim Abbau von Kohlenhydraten und Ballaststoffen hilft, was besonders wichtig ist, wenn man 100 Meilen laufen muss. Bei den Ruderern fanden sie dieses Bakterium nicht. Ein Hinweis darauf, dass unterschiedliche Bakterienarten bei unterschiedlichen Sportarten helfen können.

Big bacteria business

Das Team plant, noch in diesem Jahr ein Unternehmen namens Fitbiomics zu gründen, und hofft, innerhalb eines Jahres ein neues Probiotikum auf den Markt zu bringen. Eine Bestätigung ihrer Ergebnisse durch andere Forschende erscheint mir daher wünschenswert, um Interessenkonflikte auszuschließen.

In einem früheren Interview in diesem Jahr erzählt Scheiman, dass der Markt für Probiotika 2015 ein Volumen von 58 Milliarden Dollar hatte, der Markt für Sportnahrung lag bei 115 Milliarden Dollar [2]. Dennoch soll der Sportnahrungsmarkt nur zu 1% aus Probiotika bestehen. Das wirft die Frage auf, inwieweit die Forschungsdaten von kommerziellen Interessen getrieben werden und ob bei der Analyse der Ergebnisse ein Bias vorliegt.

Außerdem gibt Scheiman in dem Artikel aus April dieses Jahres noch an, dass es keine Daten gibt, die zeigen, dass die Verabreichung dieser Bakterien sportliche Leistungen verbessert. Ehrlich gesagt verstehe ich daher nicht, warum man jetzt schon mit der Produktion beginnen würde, wenn der Effekt noch unbekannt ist.

Das Harvard-Team macht unterdessen weiter damit, Daten von möglichst vielen unterschiedlichen Spitzenathleten zu sammeln, um mehr Daten zu erhalten und eine Datenbank interessanter Bakterien für verschiedene sportliche Ziele aufzubauen.

Referenzen

  1. American Chemical Society.
  2. huffingtonpost.com/entry/would-you-drink-a-probiotic-with-the-gut-bacteria-of_us_58e094f4e4b0ca889ba1a6d2

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