Trainieren mit Hoodie: pure Konzentration oder einfach asozial?
Das Tragen eines „Hoodies“, also einer Kapuzenjacke, im Fitnessstudio: Ist es eine gute Möglichkeit, sich besser zu konzentrieren, oder einfach ein „Ghetto-Swag-Fashion-Statement“?
Ärgernisse im Fitnessstudio
In einem Artikel über Fitnessstudio-Etikette ging ich auf häufige Ärgernisse in Fitnessstudios ein und lud die Leser ein, meine Liste zu erweitern. Das Schmerzhafte, aber Lehrreiche war jedoch, dass anschließend störende Dinge genannt wurden, derer ich mich selbst gelegentlich schuldig mache.
- Stöhnen: Schuldig. Ich hole nun einmal gerne das Maximum aus mir heraus, wenn ich trainiere. Mehr noch: Ich habe einen Artikel über den Mehrwert des Stöhnens geschrieben. Allerdings erkenne ich das Bild wieder, dass manche ziemlich übertreiben. Dort, wo ich trainiere, gibt es zum Beispiel ein Duo, das so übertreibt, etwa wenn man in der Pause noch am Schreien ist, dass ich mich wirklich anstrengen muss, nicht zu lachen. Trotzdem sehe ich lieber Menschen, die zu fanatisch sind, als Menschen, die denken, ihre Anwesenheit im Fitnessstudio reiche aus, egal ob sie trainieren oder WhatsApp schreiben.
- Tanktop tragen: Schuldig. Es kommt nicht oft vor, aber im Sommer kann man mich durchaus mal in einem Tanktop erwischen. Wenn dich das aus hygienischen Gründen stört, weil dadurch Geräte in einem Meer aus Schweiß zurückgelassen werden, kann ich den Ärger verstehen. Deshalb: ein Handtuch. Wenn du dich daran störst, weil es eine schmerzhafte Konfrontation mit dem Ergebnis jahrelanger Hingabe ist, für die dir selbst Disziplin oder Veranlagung fehlen, dann sage ich: „Don't hate the player.....“
Eine andere Quelle des Ärgers, die genannt wurde, überraschte mich jedoch:
Einen Hoodie tragen.
„Einen Hoodie zu tragen ist asozial“
Ich werde einige Gründe nennen, warum jemand beim Training einen Hoodie trägt. Bevor ich darauf eingehe, möchte ich jedoch zuerst die Frage stellen, warum du dich an jemandem stören solltest, der eine Kapuze trägt. Die Person macht keinen Lärm durch übermäßiges Stöhnen, trägt gerade dickere Kleidung und hinterlässt dadurch weniger Schweißseen. Außerdem konfrontiert sie dich nicht mit deinen eigenen „Unzulänglichkeiten“. Was ist daran also falsch?
„Gym-Gangster“
Wird es als Ausdruck der für viele verwerflichen „Swag-Generation“ gesehen? Strahlst du damit „Straße“ aus? Oder wird es einfach als unsozial angesehen, weil du unansprechbar wirkst oder bist? Nimmst du damit die Identität eines „Gym-Gangsters“ an, also von jemandem, der auf andere im Fitnessstudio pfeift? Oder siehst du es einfach wie bei jemandem, der im Kino eine Sonnenbrille trägt und denkt, das sei cool? Schließlich „regnet es doch nicht“?
Bist du jemand, der sich an Menschen stört, die im Fitnessstudio eine Kapuze tragen? Dann höre ich wirklich gerne, warum!
Warum im Fitnessstudio eine Kapuze tragen?
Verschiedene Menschen werden unterschiedliche Gründe haben, im Fitnessstudio einen Hoodie zu tragen. Für mich persönlich ist der wichtigste jedoch: Konzentration durch Abschottung.
Nein, ich wirke auch nicht gerade sozial oder ansprechbar, wenn ich eine Kapuze aufhabe. Und? Ich bin doch nicht in einem Club oder so. Bin ich hier wegen der Geselligkeit, zum Daten oder zum Trainieren? Das Tragen einer Kapuze macht es leichter, sich von der Umgebung abzuschotten und sich auf das zu konzentrieren, womit man beschäftigt ist. Vor allem in den Pausen profitiere ich davon sehr.
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Außerdem bin ich persönlich einfach eine Frostbeule (lies: „Weichei“). Ich komme bis tief in den Frühling mit Kapuze oder Mütze herein und finde es eigentlich schon zu kalt, um mich umzuziehen. Dann kann ich es kaum erwarten, schnell meine Kapuzenjacke anzuziehen. Außerdem habe ich persönlich so eine „Sache“, dass meine Traps ziemlich oft stark verspannt sind, was regelmäßig zu Kopfschmerzen führt. Darunter leide ich im Winter ohnehin häufiger, weil ich gegen die Kälte ständig die Schultern hochziehe. Mit einer Kapuze habe ich damit weniger Probleme.
„Schockeffekt“
Dann kommt jedoch irgendwann etwa in der Mitte des Trainings der Moment, in dem ich gerade enorm schwitze und die Jacke ausziehen kann. Damit kommst du zum nächsten mentalen Vorteil eines Hoodies. Du bist schon aufgepumpt, ziehst deine Jacke aus und ohne dich umzusehen, „weißt“ du, dass das halbe Fitnessstudio schaut, was darunter hervorkommt. Herrlich, so ein „Schockmoment“, besonders als es an einem Abend dazu führte, dass das zuvor erwähnte lächerlich schreiende Duo plötzlich still war. Ja, nenn es „eitel“, „macho“ oder was auch immer, aber ich trainiere nicht umsonst so lange, so oft und so hart. Dann darf man solche kleinen Momente doch wohl genießen?
Der Kai-Greene-Effekt
Den Kai-Greene-Effekt kann man auch einen „umgekehrten Coleman-Effekt“ nennen. So wie Ronnie Colemans Anwesenheit in einem Gym niemandem entgehen kann, kann Kai Greene sich auffällig unauffällig durch ein Fitnessstudio bewegen. Die Kapuze weit über den Kopf gezogen und völlig in der eigenen Welt.
Wenn wir auf Ronnie Coleman schauen, sehen wir seinen Einfluss bei Menschen, die weltweit seine Sprüche übernehmen und Begriffe schreien wie „Light weight“, „Yeah buddy!“ und „Nuthin' but a peanut“. Wenn du das schon störend findest, wirst du dich erst recht stören, wenn sie anschließend wie Ronnie anfangen, Kurzhanteln durch den Raum zu werfen, vergessend, dass sie den Schaden nicht dadurch ausgleichen, dass sie mit ihrer Anwesenheit Hunderte Mitglieder anziehen.
Wenn du jemanden in einer roten Kapuzenjacke hereinkommen siehst und derjenige obendrein rote Gewichtheberschuhe trägt, kannst du Gift darauf nehmen, dass dies der „Kai-Greene-Effekt“ ist.
Deinen Körper verbergen
Im Artikel über „Muskeldysmorphie“ beschrieb ich, wie objektiv gesehen manche großen und muskulösen Menschen ihren Körper immer unter einer dicken Schicht Kleidung verbergen, weil sie sich selbst klein finden. Genau wie bei Anorexie haben Menschen, die darunter leiden, und das kann in unterschiedlichem Maße der Fall sein, kein realistisches Bild vom eigenen Körper. In diesen Fällen wird immer bedeckende Kleidung wie ein Hoodie getragen, unabhängig davon, wie Training und Fortschritt laufen.
In anderen Fällen trägt man vorübergehend dickere Kleidung oder einen Hoodie, zum Beispiel bei der Rückkehr ins Fitnessstudio nach längerer Abwesenheit. Wenn du objektiv weißt, dass du wirklich schlechter dastehst. In solchen Fällen kann ich mir schon eher vorstellen, dass du zuerst „dein echtes Ich wieder hervortrainieren“ möchtest. „Schlechter“ ist für Menschen, die sich so sehr damit beschäftigen, objektiv gesehen jedoch oft kein Körperzustand, für den man sich schämen müsste. Auch das entsteht aus einer milderen Form von Muskeldysmorphie, aber ein bisschen davon müssen wir wohl alle besitzen, um beim Erreichen von Trainingszielen wirklich erfolgreich zu sein.
Hierbei muss ich jedoch, genau wie beim „Schockeffekt“, zugeben, dass die Jacke diesen Effekt erzielt und nicht die Kapuze, die daran befestigt ist. Dabei habe ich Grund zu vermuten, dass gerade das bloße Aufsetzen der Kapuze das ist, was manche stört. Aber noch einmal: Muss ich dann erklären, warum ich diese Kapuze aufsetze, oder du, warum du dich an so etwas störst, das dich faktisch überhaupt nicht betrifft?
Nur noch kurz...
Für die Menschen, die sich über Hoodie-Träger im Fitnessstudio ärgern und die obigen Argumente für das Tragen alle für Unsinn halten: Seid unbesorgt. Der Sommer kommt, dann könnt ihr euch wieder über Tanktops aufregen.
Hast du selbst übrigens noch andere Gründe, einen Hoodie zu tragen? Dann höre ich das ebenfalls gerne!
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