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Funktionelle Fitness

| · 8 Min. Lesezeit

Funktionelle Fitness. Ist das ein Pleonasmus wie "nasses Wasser" und "weißer Schnee"? Wann ist Fitness schließlich nicht funktionell? Der Begriff "funktionelle Fitness" wurde von der Kommerzialisierung vereinnahmt und hat dadurch einen großen Teil seiner ursprünglichen Bedeutung verloren. Aber was ist funktionelle Fitness?

Was ist funktionelle Fitness?

Was ist funktionelle Fitness eigentlich? Es gibt verschiedene Definitionen dafür, von denen keine den gesamten Umfang abdeckt, wenn wir uns ansehen, wie man "funktionelle Fitness" in der Praxis ausübt. Wir können nämlich folgende Unterteilung vornehmen:

  • Funktionelle Fitness zur Verbesserung der Funktionen des Alltags, etwa zu Hause und bei der Arbeit,
  • funktionelle Fitness zur Verbesserung sportlicher Leistungen,
  • funktionelle Fitness als Teil der Rehabilitation.

Verbesserung der Alltagsfunktionen

Funktionelle Fitness in seiner reinsten Form bedeutet einfach, dass geschaut wird, welche Funktionen jemand ausüben können muss, und das Training darauf abgestimmt wird [1,2]. Das bedeutet also Maßarbeit.

Dann ist es seltsam, dass man heute in vielen Fitnessstudios eine "Functional Fitness Zone" hat, obwohl gar nicht erfasst wurde, welche Funktionen pro Klient trainiert werden sollten. In der Praxis meint man damit einen Bereich, in dem gerade nicht mit Geräten gearbeitet wird, die eine feste Bewegungsbahn haben. Der Gedanke hinter funktionellem Fitness ist, dass man beim traditionellen Krafttraining im Fitnessstudio oft Geräte mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit nutzt. Dadurch würde die Bewegung nicht natürlichen Bewegungen entsprechen, sodass man im Alltag und bei der Arbeit nicht von seinem Training profitieren würde.

Statt isolierter Übungen, bei denen möglichst stark auf eine Muskelgruppe fokussiert wird, liegt beim funktionellen Fitness der Schwerpunkt auf Übungen, die dem entsprechen, was im Alltag getan wird. Das bedeutet per Definition, dass man kein Standardprogramm namens "funktionelle Fitness" erstellen kann. Die Funktion unterscheidet sich nämlich von Person zu Person. Ein Straßenpflasterer oder Bauarbeiter hat in dieser Hinsicht zum Beispiel einen ganz anderen Bedarf als eine Friseurin oder ein Pornodarsteller.

Verbesserung sportlicher Leistungen

Hier gilt exakt dasselbe wie im vorherigen Punkt, mit dem Unterschied, dass auf eine bestimmte Sportart fokussiert werden kann. Der Vorteil dabei ist, dass Programme etwas weniger maßgeschneidert sein können, weil bei vielen Ausübenden derselben Sportart dieselben Funktionen gestärkt werden müssen.

Im Artikel "Krafttraining für Kampfsport" gehe ich zum Beispiel auf Anpassungen ein, die du in deinem Krafttraining vornehmen kannst, um es für bestimmte Kampfsportarten geeigneter zu machen, indem du stärker auf Explosivität statt auf Kraft setzt. Funktionelle Fitness für den Sport richtet sich unter anderem nach dem Gedanken, dass traditionelles Krafttraining die normalen Bewegungsbahnen einschränkt. Das wäre nicht nur weniger effektiv für die Verbesserung sportlicher Leistungen, sondern man würde sich laut manchen Forschern auch falsche Bewegungsmuster aneignen, die zu Verletzungen führen könnten [3,4].

Teil der Rehabilitation

Im Bereich der Rehabilitation hat man irgendwann festgestellt, dass Rehabilitation erfolgreicher ist und auch bleibt, wenn sie auf die spezifische Situation eines Patienten ausgerichtet wird, statt ein allgemeines Rehabilitationsprogramm zu verwenden [5,6,7].

Funktionelle Fitness: Crossfit und Calesthenics?

Angesichts des Obigen ist es seltsam, dass Trainingsmethoden wie Crossfit und Calesthenics oft als "funktionell" bezeichnet werden.

CrossFit itself is defined as that which optimizes fitness (constantly varied functional movements performed at relatively high intensity)....

The magic is in the movements. All of CrossFit’s workouts are based on functional movements. These are the core movements of life, found everywhere, and built naturally into our DNA.

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Es ist jedoch nicht so, dass du mit einem Trainer besprichst, welche deine Funktionen im Alltag sind, und er ein maßgeschneidertes Training für dich zusammenstellt. Stattdessen gehst du in eine Crossfit-"Box" und machst einfach beim gleichen "Workout of the Day" mit, das alle machen, mit oder ohne Erklärung und Anleitung. Machst du Calesthenics, machst du ebenfalls einfach den anderen nach, so wie Skater Tricks voneinander übernehmen. Warum werden diese Trainingsmethoden dann funktionell genannt?

Crossfit-Erfinder Greg Glassman verkauft es so: Indem du eine große Zahl unterschiedlicher Übungen über ein breites Spektrum hinweg machst und gerade nicht spezialisierst, bereitest du den Körper auf möglichst viele verschiedene Situationen vor. Ein bisschen nach dem Gedanken, dass darunter dann auch die Funktionen aus deinem Alltag sein werden. Also machst du Box Jumps, Burpees, Double Unders und Power Snatches und haust mit einem Hammer auf Autoreifen, in der Annahme, dass schon etwas dabei sein wird, das dich für dein tägliches Funktionieren trainiert.

Calesthenics wird oft als funktionell beworben, weil nur mit dem Körpergewicht als Widerstand gearbeitet wird und weniger isolierte Übungen genutzt werden, wodurch eine größere Übereinstimmung mit Bewegungen in der Praxis bestehen würde. Selbst wenn man das hinnimmt, gilt immer noch, dass die Bewegungen nicht an die unterschiedlichen, spezifischen Funktionen der verschiedenen Ausübenden angepasst sind. Weil es also keine Maßarbeit ist, kann es im strengen Sinne des Begriffs wiederum nicht als funktionelle Fitness bezeichnet werden. Außerdem darf man sich fragen, wie viele Menschen zum Beispiel im Alltag "Muscle-ups" können müssen. Sehr praktisch, wenn du zum Beispiel eine Rolle in "Cliffhanger 2" hast, aber zu Hause und bei der Arbeit?

Zur Klarstellung: Das ist keine Kritik an Crossfit oder Calesthenics! Ich versuche nur deutlich zu machen, dass diese nicht als "funktionelle Fitness" bezeichnet werden sollten. Ich vermute, dass die Bezeichnung als funktionell aus einem kommerziellen Gedanken stammt: "Mach Crossfit, dann baust du keine 'leere Muskelmasse' auf, sondern funktionelle Kraft!".

Fitness ist ästhetisch und funktionell

Aber wenn wir das Etikett "funktionell" ohnehin auf alles kleben, warum dann nicht auch auf "traditionelles" Fitness wie Krafttraining und Cardio? Wenn du eine bessere Kondition, mehr Kraft, mehr Muskelmasse und weniger Körperfett hast, profitierst du dann nicht auch im Alltag davon?

Oft wird von Dingen wie Cardio und Krafttraining gesagt, dass Menschen das nur machen, um besser auszusehen. Ich werde der Erste sein, der zugibt, dass ich Bodybuilding mache, um besser auszusehen. Betrachtet man allgemeine Fitness, habe ich zum Beispiel aus Kampfsport oder Basketball viel mehr Resultate gezogen. Trotzdem ist Krafttraining für mich "funktioneller".

Erstens, weil ich meine Kampfsporterfahrung glücklicherweise nie in der Praxis einsetzen musste. Als ich jedoch noch kein Krafttraining machte und ein dürres Hemd war, geriet ich doch hin und wieder in Situationen, in denen man provoziert und getestet wurde. Darauf ließ ich mich nie ein. Es fiel jedoch auf, dass solche Situationen viel seltener vorkamen, als ich 20 Kilo mehr Muskelmasse hatte. In diesem Sinne ist Krafttraining ein bisschen wie das nukleare Arsenal der USA und der ehemaligen Sowjetunion. Man kann sagen: "Schade, Milliarden für Waffen ausgegeben, die nie benutzt werden", aber deren Drohung verhinderte doch einen dritten Weltkrieg.

Außerdem darf man sich fragen, wie funktionell eine Trainingsart ist, wenn sie dir mehr Verletzungen bringt als die Funktionen, die du damit verbessern willst. Kniebeugen zu machen, weil du bei der Arbeit oft schwere Kisten heben musst, ist funktionell, wenn du dadurch seltener Rückenschmerzen bekommst. Verstauchst du dir jedoch den Knöchel bei einem Sturz, während du versuchst, in einer Minute möglichst viele Box Jumps zu machen, dann wirkt das nicht funktionell, wenn du im Alltag nie springen musst.

Außerdem. Die wichtigste Funktion des Menschen aus evolutionärer Sicht ist die Fortpflanzung. O.k., es gibt schon viel zu viele Menschen auf der Erde, aber unser Gehirn ist immer noch darauf ausgerichtet. Wir fühlen uns von einem schönen Äußeren angezogen, weil dies unser Weg ist, die Gesundheit (Fitness!) eines anderen zu erkennen und einzuschätzen, welche Gene diese Person unserem Nachwuchs geben kann. Wenn man es so betrachtet, was ist dann funktioneller, als deine Chancen beim anderen Geschlecht zu erhöhen, indem du weniger Körperfett hast und muskulöser bist?

Außerdem sind der Aufbau zusätzlicher Muskelmasse und das Verschwindenlassen von Körperfett Bestandteile der Behandlung verschiedener Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Insulinresistenz. Funktionell also in dem Sinne, dass die Funktionen des Körpers verbessert werden.

Fazit: Mach einfach, was du willst

Man kann also alles als funktionell bezeichnen, je nach Definition. In der Praxis scheint der Begriff jedoch aus kommerziellen Gründen missbraucht zu werden. Es wirkt auch ein bisschen typisch niederländisch. Stell dir nur vor, du wärst so ein eitler Typ, der fünfmal pro Woche trainiert, nur um besser auszusehen. Das passt nicht zu "sei einfach normal", also kleben wir einen "funktionell"-Sticker darauf.

Mach einfach, was du willst, ob das nun Crossfit ist, Calesthenics, Bodybuilding oder Zumba, und ob du das nun für dein Aussehen, deine Gesundheit oder aus Spaß machst. Du musst das nicht mit einem Label namens "funktionell" verteidigen oder verkaufen.

Quellen

  • O'Sullivan, Susan B. (2007). Physical Therapy 5th Edition. glossary: F.A. Davis Company. p. 1335.
  • Cannone, Jesse. "Functional training". Retrieved 2007-08-26.
  • Orr, R.M. (2013). [http http://works.bepress.com/rob_orr/36 "Movement Orientated Training for the Kinetic and Cyber Warrior" Tactical Strength and Conditioning Conference 2013. Norfolk, Virginia, USA. Apr. 2013."].
  • Burton, Craig (2007). "What is Functional Resistance Training". Retrieved 2007-08-26.
  • Timmermans, A. A, Spooren, A. I. F., Kingma, H., Seleen, H. A. M. (2010). "Influence of Task-Oriented Training Content on Skilled Arm–Hand Performance in Stroke: A Systematic Review". Neural rehabilitation and neural repair 24: 219–224. doi:10.1177/1545968310368963.
  • Blennerhassett, J., & Dite, W. (2004). "Additional task-related practice improves mobility and upper limb function early after stroke: A randomised controlled trial". Australian journal of physiotherapy 50: 858–870.
  • "Upper extremity interventions", Evidence-based review of stroke rehabilitation
  • crossfit.com/cf-info/what-is-crossfit.html
  • WWF LIving planet report". Panda.org. Retrieved 2011-11-30.
  • Ecological Footprint Atlas 2009, Global Footprint Network, www.footprintnetwork.org/atlas

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